ADHS: Zu häufige Diagnosen?

ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizit-oder Hyperaktivitätsstörung ist die am häufigsten in der Kindheit und Jugend diagnostizierte psychiatrische Störung. Das Geburtsdatum könnte ein Risikofaktor für die Diagnose der Erkrankung sein, finden Forscher aus Australien heraus. 


ADHS: Ursache umstritten, verschiedene Risikofaktoren

Unaufmerksam, hyperaktiv, impulsiv – Symptome der auch als Zappelphilipp-Syndrom bezeichneten ADHS-Erkrankung schränken Kinder und Jugendliche in ihrer Leistungsfähigkeit ein. Etwa fünf Prozent der Kinder sind betroffen.

Die Ursachen der psychiatrischen Störung sind nicht bekannt, doch konnten Forscher eine ganze Reihe von Risikofaktoren ausmachen. Jungen sind etwa doppelt so häufig wie Mädchen betroffen. Erbfaktoren, Verletzungen des Gehirns, ein geringes Geburtsgewicht, Nikotin und Alkohol in der Schwangerschaft sowie Toxine können eine Rolle spielen.

Eine aktuelle Studie lässt nun vermuten, dass der Geburtsmonat für das Risiko einer ADHS-Diagnose bedeutsam sein könnte. 

Die Forscher der Curtin University in Perth stießen auf diese Verbindungen, nachdem sie die Daten des Monats und Jahres der Geburt von mehr als 311.000 Schulkindern analysiert hatten. Eine Gruppe der Kinder war zwischen sechs und zehn Jahre alt und zwischen Juli 2003 und Juni 2006 geboren worden. Eine weitere Gruppe an Kindern war elf bis 15 Jahre alt und zwischen Juli 1998 und Juni 2003 geboren worden.


Junge Kinder in einer Schulklasse besonders häufig betroffen

Insgesamt fast 6.000 Kinder erhielten ADHS-Medikamente, Jungen häufiger als Mädchen. Dabei waren die jüngsten Kinder einer Schulklasse im Vergleich zu den Klassenkameraden häufiger betroffen. In der Gruppe der Sechs- bis Zehnjährigen erhielten im Juni geborene Kinder häufiger ADHS-Medikamente. Der Juni ist in Australien der letzte Monat, für den der Schuleinritt noch empfohlen wird. Junikinder wurden doppelt so wahrscheinlich mit ADHS-Medikamenten behandelt wie Kinder, die früher beziehungsweise bis zum Juli des Vorjahres geboren waren. 

Auch in der Gruppe der älteren Kinder ließ sich dieser Zusammenhang nachweisen, wenn auch nicht so ausgeprägt. Andere Studien waren bereits zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

Den Ergebnissen zufolge könnten jüngere Schulkinder zu häufig eine ADHS-Diagnose erhalten. Eine Unreife der Entwicklung würde möglicherweise zu häufig als ADHS fehlinterpretiert, so die Wissenschaftler. Ihre Studie veröffentlichten sie "Medical Journal of Australia".

Quelle: Dr. Julia Hofmann02.02.17Zum AnfangZurück

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