ADHS kann auch im Erwachsenenalter entstehen

Es ist bekannt, dass Kinder mit ADHS auch noch im Erwachsenenalter unter ihrer Erkrankung leiden können. Untersuchungen aus England zeigen nun, dass das Krankheitsbild manchmal auch erst nach der Jungend entsteht.


Nicht nur Kinder betroffen

Die Aufmerksamkeitsdefitzit-/Hyperaktivitätsstörung zeichnet sich durch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität aus. Sie tritt vor allem bei Kindern auf und kann bis ins Erwachsenenalter bestehen. Bisher gingen Experten davon aus, dass Erwachsene, die an ADHS leiden, bereits als Kinder Symptome der Störung zeigten. Neue Untersuchungen legen jedoch nahe, dass es auch zu Neuerkrankungen bei jungen Erwachsenen kommen kann.

Eine Zwillingsvergleichsstudie des King's College London zeigt, dass 70 Prozent der erwachsenen ADHS-Erkrankten als Kinder keine Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Die Untersuchungen bezogen 2.200 britische Zwillinge ein, deren ADHS-Symptome im Alter von 5, 7, 10 und 12 Jahren Mütter und Lehrer beurteilten. Im Alter von achtzehn Jahren sollten die Teilnehmer selbst angeben, welche ADHS-Anzeichen und Symptome anderer mentaler Störungen sie bei sich beobachteten.


Zwillinge von ADHS-Kindern haben später kein höheres Risiko 

Die Studie zeigte neben den häufigen Neuerkrankungen junger Erwachsener auch, dass gesunde Zwillinge ADHS-erkrankter Kinder im Erwachsenenalter kein höheres Risiko hatten, die Störung zu entwickeln. Allerdings haben ADHS-Patienten, die erst im jungen Erwachsenenalter erkranken, meist sehr starke Symptome der Krankheit und zeigen häufig auch andere psychische Störungen. 

Dr. Jessica Agnew-Blais vom King's College London sagt, dass die Ursachen das späten ADHS noch nicht geklärt seien und sich von denen in der Kindheit unterscheiden könnten. So sei es möglich, dass ein schützendes Elternhaus die Symptome der Krankheit während der Kindheit maskieren könnte und der Ausbruch der Krankheit deshalb erst mit der Abnabelung von den Eltern stattfindet. Vielleicht seien aber auch andere psychische Erkrankungen Grundlage für die Entwicklung von ADHS, so Agnew-Blais. Eine weitere Möglichkeit sei, dass es sich um ein neues Krankheitsbild handle, das nur in seinen Symptomen Ähnlichkeit mit ADHS aufweist.

Quelle: Dr. Julia Hofmann27.05.16Zum AnfangZurück

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