Cannabis verjüngt alternde Hirne

Mit dem Alter lässt die Gehirnfunktion nach. Der Hauptwirkstoff aus Cannabis könnte diese Alterungsprozesse umkehren, finden Wissenschaftler heraus. Das könnte auch Menschen mit Demenz zugutekommen. 


Forscher kehren Alterungsprozesse im Gehirn um

Wie andere Organe auch altert das Gehirn. Die geistigen Fähigkeiten nehmen mit dem Alter ab. Es wird schwieriger, Neues zu lernen oder zur gleichen Zeit die Aufmerksamkeit auf mehrere Dinge zu richten. Manchmal handelt es sich um normale Alterungsprozesse, manchmal zeigt der Abbau der geistigen Fähigkeiten aber den Beginn einer Demenzerkrankung an. Forscher fahnden deshalb schon lange nach Möglichkeiten, den geistigen Abbau aufzuhalten oder gar umzukehren.

Wissenschaftler der Universität Bonn und der Hebräischen Universität in Jerusalem erreichten eine Umkehrung von Alterungsprozessen im Gehirn bei Mäusen, denen sie Tetrahydrocannabinol (THC) verabreichten. THC ist der aktive Wirkstoff in Cannabis. Die Tiere, deren Gehirne schneller alterten als normalerweise, erhielten kleine Mengen des Wirkstoffs im Alter von zwei, zwölf und 18 Monaten.

Lernkapazität und Gedächtnisleistungen wie Orientierungsfähigkeit und Wiedererkennen anderer Mäuse war bei mit THC behandelten Mäusen deutlich besser als die von Tieren, die ein Scheinpräparat erhalten hatten. Die geistigen Leistungen entsprachen denen junger Tiere. Demnach könnte die Behandlung mit THC Alterungsprozesse des Gehirns umkehren.


Studie: Kleine Dosen an Cannabis verjüngten wirksam

Die Forscher hatten bereits im Vorfeld entdeckt, dass die Gehirne von Tieren wesentlich schneller alterten, wenn sie keine funktionsfähigen Rezeptoren für THC aufweisen. 

In den Tierversuchen verwendeten die Wissenschaftler so kleine Dosen an THC, dass sich keine Vergiftungserscheinungen zeigten. Cannabisprodukte finden mittlerweile auch in der Medizin Anwendung, beispielsweise zur Schmerzlinderung. In einem nächsten Schritt möchten die Forscher untersuchen, ob Cannabis bei Menschen einen vergleichbaren Effekt hat. Allerdings sei der Weg von der gezeigten Wirkung an Mäusen bis zu der am Menschen noch lang. Ihre Studie veröffentlichten die Forscher im Journal "Nature Medicine".

Quelle: Dr. Julia Hofmann23.05.17Zum AnfangZurück

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