Schlafmangel: Schmerzmittel wirken nicht

Zwischen Schlafmangel und Schmerzempfindlichkeit entdeckten Forscher einen unerwarteten Zusammenhang. Die neuen Erkenntnisse könnten sich auch auf die Behandlung von Schmerzbehandlungen auswirken.


Forscher halten Mäuse durch Unterhaltung wach

Über 25 Millionen Erwachsene in den USA leiden unter chronischen Schmerzen, zeigt eine Studie der US-National Institutes of Health (NIH). 40 Millionen Menschen erlitten in den vergangenen drei Monaten starke Schmerzen. Schmerzen, die länger als zwölf Wochen anhalten, gelten als chronisch. Mögliche Ursachen sind Verletzungen oder zugrundeliegende Krankheiten. Manchmal liegen die Ursachen aber auch im Dunkeln. 

Wissenschaftler aus Boston fanden jetzt im Tierversuch einen Zusammenhang zwischen Schlafmangel, Schmerzempfindung und der Wirksamkeit von Schmerzmitteln. Sie untersuchten dabei auch die Effektivität häufig angewendeter Schmerzmedikamente wie Ibuprofen oder Morphin sowie den Effekt von Wachmachern wie Koffein auf die Schmerzempfindlichkeit. Ihre Studie veröffentlichten sie im "Nature Medicine".

Die Forscher maßen die Schlafzyklen und die sensorische Empfindung von Mäusen mittels Aufzeichnungen der Hirnströme und der Muskelaktivität. Einige Tiere wurden anschließend einem Schlafmangel ausgesetzt und zu diesem Zweck mit Spiel und Spaß unterhalten, um Stress zu vermeiden. Dies sollte die Situation imitieren, wie sie bei Menschen häufig vorkommt, wenn diese lange aufbleiben und so erst spät zu Bett gehen.


Schlafmangel beeinflusst Behandelbarkeit von Schmerzen

Tiere, die Schlafmangel ausgesetzt waren, reagierten empfindlicher auf Schmerzreize. Nur moderater Schlafmangel an fünf aufeinanderfolgenden Tagen verstärkte die Schmerzempfindlichkeit demnach an sonst gesunden Tieren stark. Dabei waren die Tiere nur gegenüber Schmerzreizen empfindlicher, nicht aber gegenüber anderen Stimuli. 

Erstaunlicherweise wirkten übliche Schmerzmittel gegen die Schmerzen übermüdeter Mäuse nicht. Die Schmerzüberempfindlichkeit blieb auch nach dem Einsatz starker Schmerzmedikamente wie Morphin erhalten. Einige wachmachende Wirkstoffe konnten die vom Gehirn ausgehende Schmerzüberempfindlichkeit durch Schlafmangel senken, auch Koffein gehörte dazu.

Die Studienergebnisse könnten die Behandlung chronischer Schmerzpatienten beeinflussen, wenn diese unter Schlafstörungen leiden. Möglicherweise benötigen sie eine andere Medikamentendosierung. Dies könnte aber mit vermehrten Nebenwirkungen einhergehen, so die Forscher. Die Erforschung neuer Arten von Schmerzmitteln könnte in die von den Wissenschaftlern beschriebenen Vorgänge möglicherweise eingreifen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann15.05.17Zum AnfangZurück

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