Gefahr durch Arznei gegen Sodbrennen

Bei Sodbrennen oder Magengeschwür erhalten viele Menschen Medikamente, die die Säureproduktion im Magen blockieren. Die Substanzen sind nicht ungefährlich, ergab eine aktuelle Studie an fast 350.000 US-Veteranen.


PPI-Therapie ist mit Krankheiten verbunden

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) sind Medikamente, die die Säureproduktion im Magen hemmen. Sie werden bei Krankheiten eingesetzt, bei denen die Magensäure zu Beschwerden und Schäden führt, wie etwa Sodbrennen oder Magengeschwüren. 

Wissenschaftler der Washington University School of Medicine in St. Louis belegen in einer Studie, dass die Behandlung mit den Wirkstoffen das Todesrisiko erhöht. Sie fanden auch heraus, dass das Risiko mit der Dauer der Einnahme steigt. 

Verschiedene Studien hatten bereits ergeben, dass PPI zu schweren Gesundheitsstörungen führen können, darunter Nierenschäden, Knochenbrüche bei Patienten mit Osteoporose, Demenz und Infektionen mit dem Keim Clostridium difficile. Das Bakterium kann zu schweren Darmentzündungen führen.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass PPI zu Gewebeschäden führen könnten und die Telomere in Zellen verkürzen. Telomere sind die schützenden Kappen am Ende von Chromosomen. Die Verkürzung steht mit der Alterung in Verbindung.  

Die Forscher hatten die Daten von mehreren Millionen US-Kriegsveteranen untersucht. Annähernd 276.000 davon hatten PPI erhalten. Anhand der Daten konnten die Forscher ermitteln, welche Männer innerhalb von fünf Jahren gestorben waren. Sie verglichen das Todesrisiko auch mit Männern, die H2-Blocker einnahmen. H2-Blocker sind eine Klasse von Medikamenten, die die Säureproduktion im Magen reduzieren.


Forscher: "Medikamente wieder absetzen, sobald möglich!"

Es zeigte sich, dass Patienten mit Einnahme von PPI gegenüber jenen mit H2-Blocker-Behandlung ein um 25 Prozent erhöhtes allgemeines Todesrisiko aufwiesen. Ein ähnlich erhöhtes Risiko zeigte ein Vergleich zu Männern, die keine PPI oder H2-Blocker erhalten hatten. Dabei stieg das Todesrisiko mit der Dauer der Einnahme an. War dieses Risiko in den ersten 30 Tagen der Therapie für PPI und H2-Blocker noch gleich, stieg es unter der PPI-Behandlung nach ein bis zwei Jahren gegenüber der Behandlung mit H2-Blockern um 50 Prozent an. 

Das bedeutet, dass sich bei 500 ein Jahr lang mit PPI behandelten Menschen  ein zusätzlicher Tod aufgrund der Therapie ereignet, rechnen die Forscher in "BMJ Open" vor.

Arzneimittel aus der Gruppe der PPI werden zu häufig verschrieben, kritisieren die Wissenschaftler. Wenn diese unbedingt benötigt werden, sei die Behandlung gerechtfertigt und könne auch Leben retten. Wichtig wäre aber, die Behandlung strenger zu überwachen und Medikamente abzusetzen und nicht länger einzusetzen als nötig.

Quelle: Dr. Julia Hofmann20.07.17Zum AnfangZurück

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