Antibiotika könnten Darmkrebs fördern

Die längerfristige Einnahme von Antibiotika bei Erwachsenen könnte mit der Entwicklung von Darmkrebsvorstufen verbunden sein. Darauf weist eine aktuelle Studie im Fachjournal "Gut" hin. 


Forscher untersuchen Auswirkungen von Antibiotika auf den Darm

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Jährlich erkranken fast 63.000 Menschen. Bewegungsmangel, eine Ernährung mit wenig Obst und Gemüse, Übergewicht und Alkohol- wie Nikotinkonsum sind wichtige Risikofaktoren für die Krankheit. Oft entwickeln sich zunächst gutartige Neubildungen. Werden diese frühzeitig entfernt, reduziert dies das Krebsrisiko.

Als weiteren möglichen Risikofaktor identifizierten Wissenschaftler nun Antibiotikabehandlungen. Anhand einer Datenanalyse der Nurses Health Study, in der seit 1976 Daten von über 120.000 US-Krankenschwestern gesammelt wurden, stießen sie auf diesen Zusammenhang. Zu Studienbeginn waren die Frauen zwischen 30 und 55 Jahre alt. Alle zwei Jahre wurden detaillierte Daten zu Lebensstilfaktoren wie Bewegung und Rauchstatus, der medizinischen Geschichte und dem Vorkommen von Krankheiten erhoben. Alle vier Jahre machten die Studienteilnehmerinnen zudem Angaben zu ihrer Ernährung.

In der aktuellen Studie wurden die Daten von mehr als 16.600 Frauen ausgewertet, die 2004 bereits 60 Jahre oder älter waren. Die Teilnehmerinnen machten Angaben zu ihrer Antibiotikaeinnahme im Alter zwischen 20 und 59 Jahren. Sie hatten sich zudem zwischen 2004 und 2010 mindestens einmal einer Darmspiegelung unterzogen.

Längere Antibiotikaeinnahmen könnten Darmpolypen fördern

In der Untersuchungszeit ließen sich fast 2.200 Darmpolypen diagnostizieren. Darmpolypen sind gutartig, können aber Vorstufen von Darmkrebs bilden. Es zeigte sich, dass Antibiotikaeinnahmen innerhalb der vergangenen vier Jahre nicht mit einem erhöhten Risiko für Darmpolypen verbunden waren. Doch längere Antibiotikatherapien von zwei Monaten oder mehr in jüngeren Jahren erhöhten dieses Risiko um 36 Prozent. Polypen traten eher in oberen Darmabschnitten des Dickdarms auf. 

Besonders wahrscheinlich war die Bildung gutartiger Tumore bei Frauen, die in ihren 40ern und 50ern längere Antibiotikabehandlungen gemacht hatten. 

Weitere Untersuchungen müssen die Befunde bestätigen. Da es sich bei der vorliegenden Studie um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich vorerst nicht der sichere Schluss ziehen, dass Antibiotika eine Ursache von Darmkrebs sind. Diesen Beweis müssten andere Untersuchungen führen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann20.04.17Zum AnfangZurück

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