Grippe: Selbstimpfung in der Zukunft?

In Zukunft könnte es möglich sein, sich selbst zu Hause gegen Grippe zu impfen. Forscher entwickelten ein Pflaster mit Mikronadeln, das eine Applikation des Impfstoffs in die Haut zulässt, ergab eine Studie im Journal "The Lancet".


Pflaster: Impfung ohne Schmerzen?

Eine Grippeimpfung, ohne zum Arzt gehen zu müssen – vielleicht würden mehr Menschen die Grippeimpfung in Anspruch nehmen, wenn sie diese bequem zu Hause durchführen könnten. US-Bioingenieure entwickelten offenbar ein Mikronadel-Pflaster, mit dessen Hilfe sich der Grippeimpfstoff ganz einfach in die Haut verabreichen lässt, so das "Deutsche Ärzteblatt". In einer ersten Studie konnten sie damit offenbar einen zuverlässigen Impfschutz erreichen. 

Bislang spritzte der Arzt den im Kühlschrank gelagerten Impfstoff mit einer Einmalspritze tief in den Deltamuskel der Schulter. Die Spritze ist meist mit Schmerzen verbunden, was viele Menschen von einer jährlich zu wiederholenden Impfung abhalten könnte. 

Das von den Wissenschaftlern vom Georgia Institute of Technology in Atlanta entwickelte Impfpflaster ist wenige Zentimeter groß und rund. Kleinste haarfeine Nadeln geben den Impfstoff in die Haut ab. Die Nadeln sind selbstauflösend, sodass das Pflaster einfach nach einer gewissen Zeit entfernt werdem kann. Die Verabreichung der Impfung wie das Entfernen sind laut Forscher nicht mit Schmerzen verbunden. Auch die Aufbewahrung im Kühlschrank entfällt. Der Impfstoff wäre einfach mit der Post verschickbar.


Impfpflaster: Empfindlichkeitsreaktionen, aber keine Schmerzen

Eine erste klinische Studie mit 100 Probanden kam zu positiven Ergebnissen. Von den Studienteilnehmern hatte eine Gruppe die konventionelle Impfung in den Muskel, eine weitere Gruppe eine Pflasterimpfung durch den Arzt erhalten und ein dritte Gruppe führte eine Selbstimpfung mit dem Pflaster durch. Eine vierte Gruppe impfte sich selbst mit einem Pflaster, das keinen Wirkstoff enthielt (Plazebo).

Die Impfung mit der Pflasterverabreichung des Impfstoffs war genauso wirksam wie die konventionelle Impfung. Dies lässt sich anhand der Menge der Antikörper bestimmen, die als Reaktion auf die Impfung gebildet werden. Auch zeigte sich kein Unterschied zwischen der Anwendung durch den Arzt oder die Selbstverabreichung.

44 Prozent der Studienteilnehmer, die die übliche Grippeschutzimpfung erhalten hatten, berichteten über Schmerzen, 60 Prozent über eine Empfindlichkeit. Mit dem Pflaster Geimpfte gaben keine Schmerzen an, 66 Prozent eine Empfindlichkeit. Am häufigsten war Juckreiz, gefolgt von einer Hautrötung. 

Das Mikronadel-Impfsystem will der Erfinder der Impfung jetzt in einer eigenen Firma vermarkten. Vor einer Einführung der Impfung ist mit weiteren Zulassungsstudien zu rechnen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann12.07.17Zum AnfangZurück

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