Alzheimer: Forscher finden Hinweise auf Infektion

Möglicherweise könnte die Alzheimerdemenz mit Infektionen zusammenhängen. Hinweise auf Infektionen des Gehirns fanden britische Wissenschaftler. Könnten also Infektionen und entzündliche Veränderungen die Entwicklung der Demenz unterstützen?


Gewebeproben von Alzheimerpatienten geben Aufschluss

Die Alzheimerdemenz ist eine neurodegenerative Erkrankung, die zu einem kognitiven Abbau und möglicherweise Tod von Patienten führt. Im Gehirngewebe sterben Nervenzellen ab. Es finden sich Ablagerungen der Proteine Amyloid und Tau. Die Ursachen der Krankheit liegen weitgehend im Dunkeln. Jetzt entdeckten Wissenschaftler der Universität Bristol, dass entzündliche Vorgänge eine Rolle spielen könnten. 

"Gehirne von Alzheimerpatienten zeigen Hinweise auf entzündliche Veränderungen des Nervengewebes", so die Wissenschaftler. Dies könnte die Krankheit unterstützen und antreiben, vermuten sie. Sie wollten mehr über die Ursache entzündlicher Veränderungen im Gehirn wissen und dachten dabei an Bakterien, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden könnten. Bislang wurde ein Erbfaktor identifiziert, der das Risiko erhöhen könnte, dass Bakterien die Blut-Hirn-Schranke passieren und ins Gehirn gelangen.

Die Forscher verglichen nun das Hirngewebe von sechs Toten, die an Alzheimer gelitten hatten, mit Nervengewebe von sechs Menschen, die keine Alzheimerdemenz hatten. Das Gehirngewebe stammte aus einer Gewebebank. Zu Lebzeiten hatten die Spender sich freiwillig bereit erklärt, das Gewebe nach dem Tod zu Forschungszwecken zu hinterlassen. 


Forscher finden Gene von Bakterien in Nervengewebe

Die Wissenschaftler suchten nun in den Geweben nach speziellen Bakteriengenen. Dabei wurden mit einem speziellen Verfahren Millionen von Sequenzen von Erbgutteilen zur gleichen Zeit untersucht, was Rückschlüsse auf die bakteriellen Bewohner des Gewebes zulässt. 

In den Gehirnen von Alzheimerpatienten ließen sich verschiedene Mengenverhältnisse bestimmter Bakterien nachweisen, die im Gewebe Gesunder nicht vorhanden waren. Es fand sich zum Beispiel ein zehnfach höheres Verhältnis von Actinobakterien zu Proteobakterien. Überraschenderweise wiesen Gehirne von Alzheimerpatienten auch eine insgesamt höhere Anzahl von Keimen auf.

Die Forscher fordern, mehr Gehirnproben zu untersuchen. Auch fehle der Nachweis, dass Bakterien bei der Alzheimerdemenz eine aktive Rolle spielen. In zukünftigen Studien sollte zudem untersucht werden, ob Bakterien auch bei anderen entzündlichen neurodegenerativen Krankheiten bedeutsam sind. Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "Frontiers in Aging Neuroscience".

Quelle: Dr. Julia Hofmann03.08.17Zum AnfangZurück

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