Hautkrebs: Wie sicher ist die Diagnose?

Besteht der Verdacht auf Hautkrebs, wird das verdächtge Hautmal entfernt und vom Pathologen feingeweblich näher untersucht. Verschiedene Pathologen stellen aber oftmals unterschiedliche Diagnosen, ergab eine US-Studie.


Forscher hatte selbst Hautveränderung

Der schwarze Hautkrebs (Melanom) gilt als gefährlichster Hautkrebs, denn er breitet sich rasch aus und es entstehen schnell Metastasen. Bösartige Zellwucherungen gehen dabei von den Zellen aus, die für die Hautpigmentierung sorgen, die Melanozyten. Die Diagnose des Krebses beruht auf einer visuellen Untersuchung, der Entnahme von Gewebeproben und deren Untersuchung unter dem Mikroskop. Letzteres ist Aufgabe von Pathologen. Die Kriterien, nach denen sie das Gewebe beurteilen, sind aber möglicherweise nicht sehr zuverlässig, glauben US-Pathologen.

Studien lassen vermuten, dass sich Pathologen in ihren Diagnosen oftmals unterscheiden. Die Ergebnisse vorheriger Untersuchungen waren jedoch widersprüchlich.

Wie akkurat und reproduzierbar die Diagnose von Hautbiopsien aus Melanozyten ist, untersuchten jetzt Wissenschaftler der Universität von Washington in Seattle. Der leitende Forscher selbst war zu der Studie inspiriert worden, nachdem er eine eigene Hautveränderung von verschiedenen Pathologen hatte untersuchen lassen. Er erhielt anschließend drei verschiedene Diagnosen, die von "gutartig" bis zu "invasiv wachsendes Melanom" reichten.


Zu wenig Übereinstimmung in den Diagnosen von Pathologen

In der Studie beurteilten 187 Pathologen aus zehn US-Staaten unabhängig voneinander dieselben Hautproben verschiedener Fälle zu verschiedenen Zeiten. Jeder Fall wurde außerdem durch ein Expertenteam beurteilt, bestehend aus drei erfahrenen Patholgen, bis eine übereinstimmende Referenzdiagnose gefunden war. Die Diagnosen waren auf fünf Kategorien verteilt: "leichte", "moderate" und "schwere" Zellveränderung. Letztere kann bereits auf Krebs hindeuten, der jedoch nicht in die Tiefe gewachsen ist. Weitere mögliche Diagnosen waren "frühes invasives Karzinom", das heißt, der Krebs hat bereits Anschluss an das Blutsystem gefunden, und "invasives Karzinom".

Bei leichten Zellveränderungen und dem invasiven Karzinom bestanden zwischen den an der Studie teilnehmenden Pathologen mit 92 und 74 Prozent die größten Übereinstimmungen. Bei den anderen Stadien der Erkrankungen bewegten sich die Übereinstimmungen aber nur zwischen 25 und 43 Prozent. Zudem beurteilten die einzelnen Untersucher die Biopsien zu zwei unterschiedlichen Untersuchungszeitpunkten verschieden.

Offenbar kommt es sowohl zu Über- als auch Unterdiagnosen von Hautveränderungen. Die Forscher glauben, 83 Prozent der Proben sollten durch ein Expertenteam oder Konsensus-Referenzpanel überprüft werden.

Die Studie erschein im "British Medical Journal".

Quelle: Dr. Julia Hofmann18.07.17Zum AnfangZurück

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