Mittelohrentzündung: Wie lange Antibiotika?

Bei Mittelohrentzündungen kleiner Kinder kommen meist Antibiotika zum Einsatz, um die entzündungsauslösenden Bakterien im Ohr zu bekämpfen. Offenbar wirkt eine längere Behandlungsdauer besser.


Unnötiger Antibiotikaeinsatz fördert Resistenzen

Mittelohrentzündungen kommen bei kleinen Kindern häufiger vor. Ursache sind oftmals bakterielle Infektionen, die mit Antibiotika behandelt werden. Doch auch Viren können eine Mittelohrentzündung auslösen. Antibiotika sind dann wirkungslos. In der Praxis erhalten zu viele Kinder Antibiotika, auch wenn dies nicht nötig wäre. Der zu häufige und unangemessene Einsatz von Antibiotika fördert jedoch die Entstehung von Resistenzen. Bakterien sind dann bei vielen bakteriellen Infektion nicht mehr wirksam. Um Resistenzentwicklungen zu vermeiden, ist es wichtig, diese Medikamentengruppe angemessen bei den richtigen Indikationen einzusetzen. Und auch die Therapiedauer ist bedeutsam, um Resistenzentwicklungen vorzubeugen.

Forscher aus Pittsburgh wollten wissen, ob eine kürzere Therapie von fünf Tagen oder längere Behandlung von zehn Tagen mit einem Antibiotikum bei Mittelohrentzündungen wirksamer ist und ob eine fünftägige Behandlung das Risiko von Resistenzentwicklungen senken kann.


Längere Antibiose – weniger Symptome und Therapieversager

An der Studie nahmen 520 Kinder im Alter zwischen sechs und 23 Monaten teil, die nach strikten diagnostischen Kriterien entweder eine kürzere oder längere Antibiotikatherapie mit Amoxicillin erhielten. Patienten mit kurzer Behandlung erhielten im Anschluss an die Behandlung zudem eine fünftägige oder aber eine Scheinbehandlung. Die Studie war doppelblind, das heißt, weder Patienten noch Behandler wussten, welcher Patient welche Behandlung erhielt. Die Forscher überwachten die Symptome und Infektionsanzeichen.

Bei 34 Prozent der Kinder mit nur fünftägiger Behandlung versagte die Therapie oder die Symptome verschlechterten sich. Das geschah nur bei 16 Prozent der länger antibiotisch behandelten Studienteilnehmer. Nasen- und Halsabstriche ergaben vergleichbar häufige Resistenzentwicklungen. Die Wissenschaftler folgern, dass eine zehn Tage andauernde Antibiotikabehandlung bei Mittelohrentzündungen kleiner Kinder einer kürzeren Therapie überlegen und deshalb erstrebenswert ist.

Die Studie wurde von den National Institutes of Health unterstützt und im „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Quelle: Dr. Julia Hofmann20.01.17Zum AnfangZurück

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: