Erkältung zu oft mit Antibiotika behandelt

Noch immer erhalten offenbar zu viele Menschen mit einer gewöhnlichen Erkältung Antibiotika, ergab eine kanadische Untersuchung an Senioren. Die Medikamente wirken aber nur bei bakteriellen Infektionen. Erkältungen werden jedoch von Viren ausgelöst und Antibiotika sind wirkungslos.


Unnötige Antibiotikaeinnahmen bergen Gefahren

Jeder zweite Senior in Ontario, Kanada, der aufgrund einer nicht bakteriellen Erkältung den Hausarzt aufsucht, erhält unnötige Antibiotika. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung im Fachjournal "Annals of Internal Medicine". Untersucht worden war die Häufigkeit von Antibiotikaverschreibungen durch Hausärzte bei Senioren im Jahr 2012. 

"Der unnötige Einsatz von Antibiotika wie zum Beispiel bei Infektionen mit Viren stellt ein großes Gesundheitsproblem dar", so die Wissenschaftler. Nicht nur, dass die Medikamente Nebenwirkungen aufweisen und Kosten verursachten, auch Antibiotikaresistenzen werde mit unnötigen Verschreibungen Vorschub geleistet. 

In der Studie waren mehr als 185.000 Senioren über 65 Jahren aus Ontario untersucht worden, die wegen viralen Infektionen zumeist der oberen Atemwege den Hausarzt aufsuchten. 53 Prozent wiesen eine einfache Erkältung auf, 31 Prozent eine akute Bronchitis und 14 Prozent eine akute Nebenhöhlenentzündung. 


Antibiotika können schwere Nebenwirkungen aufweisen

46 Prozent der Senioren erhielten von ihrem Arzt eine Behandlung mit Antibiotika. Dabei handelte es sich meist um Breitspektrumwirkstoffe, die gegen viele verschiedene Arten von Bakterien wirksam sind, aber auch mit vielen zum Teil schweren Nebenwirkungen behaftet sind. Dies kann für ältere Menschen auch deshalb besonders gefährlich werden, da sie häufiger zusätzlich verschiedene Medikamente aufgrund anderer Erkrankungen einnehmen müssen. 

Trotz eindeutigen Empfehlungen und Richtlinien setzen offenbar immer noch zu viele Mediziner zu unkritisch Antibiotika ein, folgern die Studienautoren. Sie fordern, gezielt Schritte einzuleiten, um dieses Verhalten in der Praxis zu verändern. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann18.05.17Zum AnfangZurück

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