Blindheit schärft Hirn und Sinne

Wer seit Geburt an blind ist, verfügt möglicherweise über bessere, andere Fähigkeiten als sehend geborene Menschen. Nicht nur andere Sinne sind schärfer, auch kognitive Leistungen unterscheiden sich zu Sehenden. Offenbar kann sich das Gehirn an Erfahrungen anpassen und umstrukturieren. Forscher hoffen, sich diesen Umstand therapeutisch nutzbar machen zu können. 


Wer nicht sehen kann, hört und fühlt besser

Menschen, die seit Geburt blind sind, knüpfen im Gehirn andere Verbindungen  als Sehende. Fehlen visuelle Informationen, resultiert dies in der Ausbildung anderer kompensatorischer Fähigkeiten. Die anderen Sinne – Hören, Riechen, Schmecken und Tasten – sind geschärft und auch im Denken und Erinnern haben Blinde Vorteile. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in "PLOS One".

"Resultat einer frühen Blindheit sind strukturelle und funktionelle neuroplastische Veränderungen im Gehirn", so die Wissenschaftler aus Massachusetts. Die Forscher zeigen, dass es zu signifikanten Veränderungen nicht nur im Bereich der okzipitalen Hirnrinde kommt, in der das Sehen verarbeitet wird, sondern auch in Hirnbereichen, die mit Erinnerung, Sprachverarbeitung und sensorisch motorischen Funktionen zusammenhängen.


Forscher hoffen auf neue Therapien

Diese Veränderungen wiesen die Forscher mit magnetresonanztomographischen Untersuchungen bei zwölf von Geburt an blinden Menschen nach. Die Forscher vermuten, dass sich das Gehirn bei fehlenden visuellen Informationen selbst vernetzt und andere Sinne schärft. Der Vorgang belegt die Neuroplastizität des Gehirns, das heißt, das Gehirn ist in der Lage, sich an Erfahrungen anzupassen.

Die Wissenschaftler hoffen, mit ihren Erkenntnissen zu besseren Behandlungsmöglichkeiten blinder Menschen zu gelangen. Wenn sich das Gehirn bei früh Erblindeten derartig verändern kann, lässt sich vielleicht auch bei anderen Patienten durch spezielles Training des Hörens, Fühlens, der Sprache oder anderer Maßnahmen eine Anpassung des Gehirns erreichen und damit bessere Fähigkeiten erzielen, hoffen die Wissenschaftler. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann07.04.17Zum AnfangZurück

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