Kaiserschnitt: Kinder sind infektionsanfälliger

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, sind für Infektionen anfälliger, wie das "Deutsche Ärzteblatt" berichtet. Das zeigen Daten der Techniker Krankenkasse (TK). Besonders häufig kommt es zu Atemwegsinfektionen.


Kaiserschnitt ist meist nicht zwingend erforderlich

Der Geburtenreport der TK umfasst die Analyse von fast 39.000 Müttern und deren Kindern, die im Jahr 2008 entbunden haben. Demnach entwickeln mit einem Kaiserschnitt geborene Kinder häufiger Infektionen, vor allem der Atemwege.

Kaiserschnitte könnten Leben retten, wenn das Wohl von Mutter und Kind durch eine normale Entbindung gefährdet wäre, so Christof Sohn, ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Die Risiken sollten sorgfältig abgewogen werden, ganz besonders, wenn der Eingriff nicht zwingend notwendig wäre.

In rund 90 Prozent der Fälle von Kaiserschnittentbindungen in Deutschland liegt aber nur eine relative Indikation vor, das bedeutet, die Operation ist nicht zwingend erforderlich. Die Gründe für einen selbst gewählten Kaiserschnitt von Frauen sind oftmals psychischer Natur wie zum Beispiel die Angst vor einer natürlichen Geburt. Auch Krankheiten spielen eine Rolle. Von Depressionen betroffene Frauen trauten sich eine natürliche Geburt oftmals nicht zu, so Stepahnie Wallwiener, Oberärztin der Geburtshilfe der Uniklinik Heidelberg. Aber auch andere Krankheiten wie Übergewicht und chronische Darmerkrankungen können die Geburtsangst verstärken.


TK fordert bessere Abwägung des Entbindungsmodus

Mit einer Kaiserschnittrate von 31 Prozent liegt Deutschland über dem Durchschnitt der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Analyse gibt keine Hinweise darauf, dass Kaiserschnitte die Neugeborenensterblichkeit senken. Dies zeigen auch Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 

Aufgrund der aktuellen Ergebnisse fordert die TK ein differenziertes Abwägen von Kaiserschnittentbindungen. Bei schwacher medizinischer Indikation sei eine Aufklärung von Schwangeren besonders wichtig, damit diese eine informierte Entscheidung treffen können. Viele Krankheiten und Gesundheitsstörungen machen sich erst längere Zeit nach der Entbindung bemerkbar. Deshalb plant die TK die Studie im Rahmen eines Forschungsvorhabens weiterzuführen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann19.07.17Zum AnfangZurück

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