Chronisch krank? Antidepressiva helfen nicht

Bei Menschen mit chronischen Krankheiten kommen Depressionen häufiger vor. Forscher finden heraus, dass Medikamente dann meist nicht helfen und fordern alternative Behandlungen. Denn Antidepressiva besitzen eine Vielzahl von Nebenwirkungen.


Forscher: Antidepressiva wirken bei chronisch Kranken nicht

Ob Asthma, Herzschwäche oder Demenz – viele Menschen, die eine chronische Krankheit haben, entwickeln Depressionen. Oftmals erhalten sie deshalb Antidepressiva. Diese sind bei chronischen körperlichen Erkrankungen aber nicht wirksam, so US-Forscher. Dies wirft die Frage auf, ob die vielen Menschen mit chronischer Krankheit und Depressionen nicht anders behandelt werden müssten.

In der aktuellen im renommierten "Journal of the American Medical Association" veröffentlichten Studie waren Patienten mit chronischer Nierenerkrankung untersucht worden, die aufgrund von Depressionen Antidepressiva erhielten. Es zeigte sich, dass die Medikamente nicht halfen.

Es gäbe kaum eine Rechtfertigung für die Verschreibung von Antidepressiva bei diesem Subtyp an Depressionen, so die Forscher. Da die Medikamente nicht wirksam wären, aber Nebenwirkungen besäßen, wäre es wichtig, die hinter den Depressionen steckenden Hirnveränderungen zu verstehen. Für viele Patienten müsste nach wirksamen Behandlungsoptionen gesucht werden, um ihre Depressionen effektiv zu behandeln.


Zukunft: Bluttest zur Prüfung der Medikamentenwirksamkeit

Nach Angaben der Forscher leben fast die Hälfte der US-Amerikaner mit einer chronischen Krankheit. Ob Krebs, Demenz, Arthritis oder Asthma, viele Betroffene leiden zusätzlich unter Depressionen. Depressionen kommen laut Forscher zum Beispiel bei mehr als der Hälfte der Patienten mit Morbus Parkinson vor. Über 41 Prozent aller Patienten mit einer Krebserkrankung entwickeln eine Depression und mehr als ein Viertel der Patienten mit Diabetes sind depressiv. 

Ärzte wie Patienten sollten verstehen, dass Antidepressiva oftmals nicht wirksam sind. Die Forscher engagieren sich für die Entwicklung von Bluttests zur Wirksamkeitsüberprüfung von Antidepressiva. Wenn Antidepressiva nicht helfen, kämen eine Vielzahl anderer Behandlungen in Frage, darunter eine Therapie mit Ketamin, Elektrokrampftherapie, transkranielle Neurostimulation, Psychotherapie und Bewegung.

Quelle: Dr. Julia Hofmann14.11.17Zum AnfangZurück

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