Gelenkersatz: Frauen reagieren auf Metall

Nach einem Gelenkersatz kommt es bei Frauen häufiger zu Komplikationen als bei Männern. Eine Ursache könnte das Metall in Gelenkimplantaten sein, finden Forscher heraus. Frauen neigen eher zu Überempfindlichkeitsreaktionen.


Metall in Prothesen als Allergierisiko

Kommt es nach einer Gelenkersatzoperation mit metallenthaltenden Komponenten zu unerklärlichen Schmerzen, könnte eine Überempfindlichkeitsreaktion auf das in der Prothese verarbeitete Metall die Ursache sein, so Wissenschaftler vom Rush University Medical Center in Chicago. Demnach sind Frauen besonders häufig davon betroffen. Dies könnte auch die Geschlechtsunterschiede hinsichtlich der Komplikationen nach einer Gelenkersatzoperation erklären.

Die Forscher hatten die Daten von über 2.600 Patienten mit unerklärlichen Schmerzen nach einer Gelenkersatzoperation untersucht. Alle hatten Implantate erhalten, die Metallkomponenten erhielten. Sie wiesen aber keine Zeichen von Infektionen, Entzündungen oder anderen krankhaften Veränderungen auf, die die Schmerzen hätten erklären können. Die nach der Gelenkersatzoperation vergangene Zeit betrug durchschnittlich drei Jahre.

Ein Bluttest, der Lymphozyten-Transformations-Test (LTT), zeigte, dass 49 Prozent der Frauen überempfindlich auf Metall in den Implantaten reagierte, während das nur bei 38 Prozent der Männer der Fall war. Der LTT-Test diente dem Nachweis von Überempfindlichkeitsreaktionen auf ein oder mehrere der in dem Implantat verarbeiteten Metalle. Kobalt, Chrom und Nickel können Bestandteile von künstlichen Gelenken sein. 


Sensibilisierung auf Metalle durch Schmuck und Kosmetika

Frauen mit Schmerzen nach der Gelenkersatzoperation berichteten häufiger von Hautreaktionen nach Kontakt mit Metallen. Es ist bekannt, dass Frauen häufiger Kontaktallergien auf Metalle entwickeln, möglicherweise etwa aufgrund von getragenem Modeschmuck oder Kosmetika, die diese Metalle enthielten. 

Es sei aber letztlich bislang unklar, warum Frauen empfindlicher auf Metallbestandteile von Implantaten reagierten als Männer, so die Forscher. Es könnten neben Umweltfaktoren auch biologische Faktoren wie Hormone beteiligt sein. Die Studie konnte nicht zur Klärung der Frage beitragen, ob die Überempfindlichkeit bereits vor der Operation oder erst danach aufgetreten ist.

Die Studie wurde im "Journal of Bone and Joint Surgery" veröffentlicht.

Quelle: Dr. Julia Hofmann03.05.17Zum AnfangZurück

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