Analytische Psychotherapie

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Methode zu Analytische Psychotherapie

Der Begriff Analytische Psychotherapie (AP) bezeichnet eine Gruppe von psychotherapeutischen Verfahren, die von den Krankenkassen anerkannt sind. Diese Therapien gründen, ebenso wie die tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapieverfahren, theoretisch auf der Psychoanalyse nach Freud und deren Weiterentwicklung. Diese wurde unter anderem durch den Psychologen Carl Gustav Jung, der sich von Freud abgrenzte, weiterentwickelt. Der Begriff Analytische Psychotherapie wird daher auch zur Abgrenzung von der „klassischen Psychoanalyse nach Freud“ verwendet. Die Individualpsychologie nach Adler ist als ein weiteres wichtiges analytisches Verfahren zu nennen.

Merkmale der AP im Allgemeinen

  • Es handelt sich um eine Langzeittherapie
  • Eine intensive Übertragungs-Gegenübertragungs-Beziehung während der Therapie ist ihre praktische Voraussetzung zum Erfolg
  • Das Zurückfallen in frühere, etwa kindliche Entwicklungsstufen dient als entscheidendes Heilungskriterium
  • Insgesamt liegt eine starke Betonung auf der intensiven Bearbeitung von Kindheit und Jugend
  • Unfokussiertes, eher breitflächiges Vorgehen
  • In Einzelsitzungen oder Gruppen durchführbar
  • Für Erwachsene, Jugendliche und Kinder geeignet
  • Sowohl liegend als auch gegenübersitzend in der Ausführung (Setting)
  • In der Regel ein bis zwei Sitzungen pro Woche
  • Eine Sitzung dauert circa 50 Minuten
  • Die Therapiedauer liegt meistens bei insgesamt 160 bis 240 Stunden.

Anbieter

  • Psychologische Psychotherapeuten mit spezieller analytischer Zusatzausbildung
  • Ärztliche Psychotherapeuten mit der Zusatzbezeichnung Psychoanalyse
  • Auch gibt es analytische Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.

Ziele der Therapie

  • Es wird eine Veränderung der ganzen Persönlichkeit angestrebt, um selbst zu einer tieferen Wahrnehmung der eigenen Erlebensweisen zu kommen.
  • Anschließend ermöglicht die bewusstere Selbstwahrnehmung ein anderes Verhalten.
  • Durch diesen Prozess wird die Persönlichkeit reifer und erweitert.
  • Es ergeben sich neue Möglichkeiten der Selbstbeeinflussung und Kreativität.

Die Interaktion während der Sitzung

  • Durch das Hören der Stimme ohne störende Seheindrücke hat das Unbewusste mehr Raum zur Entfaltung.
  • Träume dienen zur Sinnentschlüsselung, der Klient deutet sie mit Unterstützung selbst.
  • Es wird oft zwischen liegender und sitzender Position gewechselt.

Die psychoanalytische Grundregel lautet:

Freies Assoziieren und Aussprechen dessen, was gerade durch den Kopf geht. Dabei soll eine Bewertung dieser Gedanken vermieden werden.


Behandlungsziele

  • Verarbeitung erlebter Verletzungen und erlittener Schicksalsschläge
  • Die Anerkennung der eigenen Grenzen und das Loslassen unrealistischer Ansprüche
  • Die Entwicklung der Fähigkeit, mit Enttäuschungen umzugehen
  • Selbsterkenntnis und „sich besser fühlen“
  • das Selbst(-wert)gefühl soll gestärkt werden.

Die Analytische Psychologie nach Jung

  • Sie ist sowohl gesprächsorientiert als auch darstellend-kreativ
  • Individuation ist das übergeordnete Ziel und bedeutet: Selbstwerdung, Bewusstseinserweiterung, Entfaltung aller Fähigkeiten und Möglichkeiten und das Finden des eigenen Lebenssinns
  • Als gleichberechtigte Partner streben Therapeut und Klient eine tiefe menschliche Begegnung an, die Methoden sind dabei zweitrangig und flexibel einsetzbar
  • Der Therapeut ist aber auch in einer Position des „Seelenführes“, indem er zum Beispiel die Äußerungen des Klienten mit Wissen aus Mythologie und Symbolkunde bereichert. Die Arbeit mit Träumen und Phantasien nimmt oft einen großen Raum ein.

Alternativen zu Analytische Psychotherapie

Eine Alternative zur analytischen Therapie nach Jung ist die Individualpsychotherapie nach Adler. Auch bei dieser Therapieform steht der ganze Mensch im Mittelpunkt, Ziel der Behandlung sind Selbsterkenntnis und Erlangung bisher nicht zugänglicher Veranlagungen.

Kosten zu Analytische Psychotherapie

Die Analytische Psychotherapie wird von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen:
  • 80–240 Stunden, maximal 300 Stunden
  • Maximal drei Behandlungsstunden in der Woche.
  • Für eine Gruppentherapie können zweimal pro Woche 80–120 Stunden übernommen werden. Bei Kindern und Jugendlichen wird meist nur eine geringere Anzahl bezahlt.

Allgemein werden derzeit drei Psychotherapieverfahren von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen:
  • Die Verhaltenstherapie
  • Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie  
  • Die Analytische Psychotherapie.

Daten/Fakten zu Analytische Psychotherapie

Die Theorie der AP nach Jung

  • Die grundsätzliche Ganzheit und Polarität des Menschen ist die Basis dieser psychotherapeutischen Arbeit
  • Neurosen sind nach diesem Ansatz der Ausdruck der Unfähigkeit des Menschen, sich als Ganzheit zu begreifen
  • Psychische Störungen sind die Hemmung der natürlichen Selbstentfaltung
  • Jung versteht Neurosen als "Leiden der Seele, die ihren Sinn nicht gefunden hat"
  • Die Therapie soll die Sinnhaftigkeit des Leidens einsehbar und annehmbar machen
  • Die Ursachen von psychischen Störungen können in allen Lebensphasen liegen
  • Die individuelle Lebensgeschichte und gleichermaßen gesellschaftliche / kulturelle Situationen sind ursächlich für die Lebenskonflikte, die sogenannten archetypischen Probleme
  • Archetypische Lösungswege, wie sie Mythen oder Märchen beinhalten, werden in der Therapie aufgezeigt
  • Die Heilung soll durch die Wachstums- und Erkenntnisprozesse während der Individuation selbst erreicht werden. Individuation versteht Jung als eine Bewusstmachung und Integration bislang unbewusster gegensätzlicher Persönlichkeitsanteile, dem sogenannten Schatten etwa.
Die Analytische Psychologie nach Jung fand zunächst keine große Verbreitung in Deutschland und wurde erst mit der Esoterikwelle der letzten Jahrzehnte populärer. 1971 wurde das erste C.G. Jung-Institut in Stuttgart gegründet. Es gibt es nur wenige ausgebildete Therapeuten auf dem Gebiet der Analytischen Psychologie nach Jung.

Links zu Analytische Psychotherapie

C. G. Jung-Institut Stuttgart e. V
http://www.cgjung-stuttgart.de/ueber-uns-1.html


Vereinigung  Analytischer  Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland
http://www.vakjp.de/


Deutsche PsychotherapeutenVereinigung
http://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/index.php?id=572
Autor: Koll, Livia28.09.2015

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