Windpocken bei Baby und Kind

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Wissen zu Windpocken bei Baby & Kind

Windpocken sind eine klassische Kinderkrankheit. Die Infektionskrankheit wird durch ein Virus übertragen. In über 90 Prozent der Fälle kommt es bereits bei Kindern im Kindergarten- und Schulalter zur Infektion. Das Virus ist hochgradig ansteckend. Windpocken verlaufen in der Regel gutartig, jedoch können Immungeschwächte und Neugeborene in den ersten Lebenstagen einen schwereren Verlauf aufweisen. Nach der Infektion ist der Mensch immun und entwickelt keine Windpocken mehr. Das Virus verbleibt jedoch ruhend im Nervensystem und kann in späteren Lebensjahren eine Gürtelrose (Herpes zoster) hervorrufen. Seit 2004 ist die Impfung gegen Windpocken im Kindesalter empfohlen.

Ursachen

Varizella-Zoster-Viren (Herpesviren) sind Auslöser der Infektionskrankheit. Sie verbreiten sich über Tröpfchen, etwa durch Husten oder Niesen, rasch von Mensch zu Mensch. Windpocken sind für Menschen ohne Immunschutz hochgradig ansteckend.

Diagnose zu Windpocken bei Baby & Kind

Der Verdacht auf Windpocken sollte immer medizinisch abgeklärt werden. Äußern Sie Ihren Verdacht, damit das Kind in der Arztpraxis isoliert werden kann, denn das Virus ist sehr ansteckend.
Die Krankheit ist in der Untersuchung aufgrund des typischen Hautausschlags rasch zu erkennen. Besonders zu Beginn der Krankheit und bei geringer Ausprägung des Ausschlags können jedoch auch Zweifel bestehen. Hier ist der Nachweis von Antikörpern aus dem Blut möglich.

Symptome

Kinder leiden unter einem leichten Krankheitsgefühl und entwickeln möglicherweise Fieber. Besonders kleinere Kinder sind vielleicht weinerlich und müde. Der typische Hautausschlag tritt nach zwei bis drei Wochen auf. Das Exanthem breitet sich ausgehend von Kopf und Körper aus. Zunächst entstehen hellrote Knötchen, die sich innerhalb von Stunden in flüssigkeitsgefüllte Bläschen auf rotem Grund entwickeln.
Diese Bläschen können sich auch auf der Kopfhaut und an den Schleimhäuten im Mund oder an den Genitalien bilden. Der Inhalt ist hochinfektiös. Nach einigen Tagen trocknen die Bläschen ein und verkrusten.
An Kopf und Körper zeigt sich ein buntes Bild aus roten Knötchen, Bläschen und verkrusteten abheilenden Bläschen. Der Ausschlag ist oft von starkem Juckreiz begleitet. Das Aufkratzen hinterlässt Narben. Betroffene Kinder sind etwa zwei Tage vor Ausbruch des Hautausschlags bis fünf Tage nach dem Auftreten der letzten Bläschen ansteckend. Der Ausschlag ist nach bis zwei Wochen meist abgeheilt.

Behandlung zu Windpocken bei Baby & Kind

In den meisten Fällen ist die Behandlung von Windpocken einfach. Der Großteil der Kinder fühlt sich mit Beginn des Auschlags nicht krank und muss nicht ruhen.

Deshalb gilt in erster Linie:
  • Juckreiz stillen: Gegen Juckreiz und Aufkratzen der Bläschen helfen Puder, Cremes und Lotionen. Zusätzlich können antiallergische Tropfen (Antihistaminika) verabreicht werden. Das Aufkratzen der Bläschen birgt die Gefahr der Narbenbildung und einer Infektion mit Bakterien. Narben können mit speziellen Salben nachbehandelt werden.

Seltener nötig sind:
  • Medikamente gegen Fieber: Hohes Fieber tritt kaum auf, daher muss die Körpertemperatur normalerweise auch nicht gesenkt werden. Man sollte nicht auf Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) zurückgreifen, da es zu schweren Reaktionen ("Reye-Syndrom") kommen kann.
  • Fingernägel kürzen: Das Schneiden der Fingernägel hindert vor zu starkem Kratzen.
  • Baby-Baumwoll-Handschuhe anziehen: Die Handschuhe hindern am Kratzen.
  • Medikamente gegen Viren (Virustatika): Diese Medikamente verhindern die Vermehrung der Viren und sind möglicherweise bei immungeschwächten Kindern angezeigt.
  • Vorbeugung durch Antikörper (Immunprophylaxe:) Kinder mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf können sich auch nach Kontakt mit Infizierten durch die Verabreichung von Antikörpern schützen lassen.

Verhalten bei Kindern mit Windpocken

  • Isolieren Sie Ihr Kind, denn Windpocken sind hochgradig ansteckend. Das Kind soll bis zu fünf Tage nach dem Auftreten der letzten Bläschen nicht in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Das Kind darf keinen Kontakt zu schwangeren Frauen haben, die möglicherwiese noch keine Windpocken hatten und deshalb nicht geschützt sind. Gefährdet sind auch Menschen mit Immunschwäche.
  • Waschen Sie häufig die Hände.
  • Ziehen sie dem Kind wegen des Juckreizes weiche und weite Kleidung an.
  • Verzichten Sie bis zum Abheilen der Bläschen auf warme Vollbäder, denn es könnte zu Entzündungen und vermehrtem Juckreiz kommen.
  • Schützen Sie Ihr Kind vor der Sonne, denn es kann zu Pigmentverschiebungen kommen.

Prognose

Meist verläuft die Krankheit mild und ist nach Abheilen der Bläschen überstanden. Die Viren überdauern jedoch im Körper und können später im Leben eine Gürtelrose auslösen. Patienten mit Gürtelrose oder Windpocken können andere Menschen mit dem Virus infizieren, sodass diese Windpocken entwickeln, wenn sie sie noch nicht hatten.

Selten kommt es im Rahmen der Windpockeninfektion zu Komplikationen:
  • Die Bläschen können sich bakteriell entzünden (Sekundärinfektion).
  • Selten sind Gehirn-, Lungen- und Mittelohrentzündung in zeitlichem Zusammenhang mit Windpocken.
  • Ganz selten sind Leberentzündungen (Hepatitis) oder Gelenkentzündungen (Arthritis).

Selbsthilfe zu Windpocken bei Baby & Kind

Windpocken werden über Tröpfchen übertragen. Das Virus verbreitet sich über Niesen, Husten, Sprechen und den Inhalt der Bläschen fast so schnell wie der Wind aus – wie der Name der Krankheit schon andeutet.
Deshalb sind betroffene Kinder unbedingt zu isolieren. Das regelmäßige Auftragen juckzeizstillender Salben und Lotionen hilft Ihrem Kind, die Zeit gut zu überstehen.




Links zu Windpocken bei Baby & Kind

Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin
http://www.rki.de/Windpocken

BERUFSVERBAND DER KINDER- UND JUGENDÄRZTE e. V.
Mielenforster Straße 2
51069 Köln
Tel: 0221 - 689 090
Fax: 0221 -683 204
E-Mail: bvkj.buero@uminfo.de
http://www.kinderaerzteimnetz.de/Windpocken
Autor: Hofmann, Julia02.11.2016

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