Akutes Nierenversagen (Akute Niereninsuffizienz)

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Wissen zu Nierenversagen - akut (Akute Niereninsuffizienz)

Akutes Nierenversagen bedeutet eine rapide Verschlechterung der Nierentätigkeit. Mediziner sprechen von akuter Niereninsuffizienz. Innerhalb weniger Stunden oder Tage können die Nieren sowohl ihre Funktion der Blutfilterung als auch die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten und harnpflichtigen Substanzen wie Harnstoff und Kreatinin nicht mehr in ausreichendem Maße erfüllen.

Die gesunden Nieren arbeiten normalerweise auf Hochtouren und filtern etwa 1500 Liter Blut am Tag. Sie scheiden Substanzen, die der Körper nicht benötigt und sorgen darüberhinaus dafür, dass der Körper wichtige Stoffe wie Mineralien (Körpersalze) und Eiweiße zurückerhält. Wichtige Aufgabe ist auch die Regulierung des Wasserhaushalts. Das Filterprodukt ist der Urin. Die ausgeschiedene Urinmenge beträgt etwa 1,5 Liter pro Tag.
Bei akutem Nierenversagen nimmt die produzierte Urinmenge plötzlich ab. Beträgt die Urinmenge unter 500 ml pro Tag, handelt es sich um Oligurie, beträgt sie weniger als 100 ml, eine Anurie. Folge ist eine verringerte Wasser- und Salzausscheidung. Die Flüssigkeit lagert sich im Körpergewebe ein, was das Körpergewicht steigen lässt.
Betroffen sind in bis zu 80 Prozent der Fälle Patienten nach Operationen, Unfällen oder Verbrennungen. Schwerkranke Patienten mit Intensivbehandlung erleiden zu 30 Prozent ein akutes Nierenver-sagen. Es kann sich häufig wieder vollständig zurückbilden, ist aber immer zunächst lebensbedrohlich.

Ursachen

Grundsätzlich kann die Ursache des Nierenversagens vor den Nieren, in den Nieren selbst und selten nach den Nieren liegen. Möglich sind:
  • eine verminderte Durchblutung
  • eine Entzündung
  • Erkrankungen der Nierengefäße
  • Harnabflusstörungen
  • Medikamente.
All dies kann die Nieren bis zum akuten Nierenversagen schädigen.

Diagnose zu Nierenversagen - akut (Akute Niereninsuffizienz)

Die ausgeschiedene Urinmenge innerhalb von 24 Stunden lässt sich nach dem Legen eines Blasenkatheters überprüfen. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über die mit dem Harn ausgeschiedenen Stoffe. Auch die Blutsalze, das Eiweiß, die Leberwerte und die Blutgerinnung werden überprüft.
Eine Urinuntersuchung ist nötig, um den Gehalt an harnpflichtigen Substanzen und Salzen zu bestimmen. Aussagekräftig sind auch die sich nach dem Zentrifugieren des Urins absetzenden Substanzen (Urinsediment). Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) lässt eine Beurteilung bezüglich Nierengröße, Nierendurchblutung sowie der ableitenden Harnwege zu.
Bei Unklarheiten kann eine Computertomografie bei der Klärung der Ursache hilfreich sein, ebenso eine Gewebeprobe (Biopsie).

Symptome

Zu Beginn des Nierenversagens müssen keine Beschwerden bestehen. Uncharakteristische Beschwerden sind möglicherweise:
  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • verminderte Harnausscheidung.
Wassereinlagerungen im Gewebe, etwa in der Lunge, führen zu Atemnot. Die veränderte Zusammensetzung der Blutsalze (vor allem Kalium) ist für Herzrhythmusstörungen verantwortlich. Auch Blutungen aus dem Magendarmtrakt sind möglich. Schließlich fällt der Blutdruck ab und es kommt zum Schock.

Behandlung zu Nierenversagen - akut (Akute Niereninsuffizienz)

Bei akutem Nierenversagen ist in der Regel eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Flüssigkeitszufuhr und die Gabe harntreibender Medikamente (Diuretika), die die Urinausscheidung anregen, sind erste Maßnahmen.
Nierenschädigende Medikamente werden abgesetzt und Harnabflusstörungen möglichst schnell beseitigt. Verbessert sich die Nierenfunktion nicht, ist eine künstliche Nieren oder Blutwäsche (Dialyse) erforderlich, die vorübergehend die Nierenfunktion übernehmen kann.

Prognose

Etwa 50 Prozent der Betroffenen überleben das akute Nierenversagen und die Nierenfunktion erholt sich teilweise oder vollständig. Die hohe Sterblichkeit hängt mit der Schwere der zugrundeliegenden Erkrankung zusammen.
Die Erholungsphase der Nieren nimmt zwei bis drei Wochen in Anspruch. Ein Teil der Betroffenen benötigen nach einem akuten Nierenversagen dauerhaft eine Dialyse, leiden also unter chronischem Nierenversagen.

Selbsthilfe zu Nierenversagen - akut (Akute Niereninsuffizienz)

Besonders potenziell nierenschädigende Medikamente können zur Gefahr werden, wenn sie in Eigenregie eigenommen werden. Regelmäßige Medikamenteneinnahmen sollten deshalb unbedingt medizinisch abgeklärt werden.
Kommt es aufgrund schwerer Verletzungen, Operationen, Verbrennungen oder anderen Erkrankungen zur Beeinträchtigung der Nierenfunktion, ist diese gegebenfalls im Krankenhaus zu überwachen.

Links zu Nierenversagen - akut (Akute Niereninsuffizienz)

Deutsche Nierenstiftung
c/o Prof. Dr. W. Riegel
Klinikum Darmstadt
Med. Klinik III
Grafenstrasse 9
64283 Darmstadt
Tel: 06151 - 780 740
Fax: 06151 - 780 74 29
E-Mail: info@nierenstiftung.de
http://www.nierenstiftung.de

http://www.nierenbuch.de

Bundesverband Niere e.V.
Weberstraße 2
55130 Mainz
Tel: 06131 851 52
Fax: 06131 835 198
E-Mail: geschaeftsstelle@bnev.de
http://www.bundesverband-niere.de/

KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V.
Martin-Behaim-Straße 20
63263 Neu-Isenburg
Tel: 06102 - 35 90
Fax: 06102 - 359 344
E-Mail: info@kfh-dialyse.de
http://www.kfh-dialyse.de

Deutsche Hochdruckliga e.V.
Berliner Str. 46
69120 Heidelberg
Tel: 06221 - 588 550
Fax: 06221 - 588 55 25
E-Mail: hochdruckliga@t-online.de
www.hochdruckliga.de

Gesellschaft für Nephrologie
Berliner Straße 46
69120 Heidelberg
Tel: 06221 - 655 653
Fax: 06221 - 655 663
http://www.nierengesellschaft.de

Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie e.V.
Prof. W. Fassbinder
Klinikum Fulda
Pacelliallee 4
36043 Fulda
Tel: 0661 - 845 451
Fax: 0661 - 845 452
E-Mail: info@nephrologie.de
http://www.nephrologie.de
Autor: Hofmann, Julia02.03.2015

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