Nierenbeckenentzündung

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Wissen zu Nierenbeckenentzündung

Nierenbeckenentzündungen (Pyelonephritis) umfassen Entzündungen des Nierenbeckens und der Niere. Verantwortlich sind häufig Bakterien. Es lässt sich eine akute und eine chronische Form der Entzündung unterscheiden.
  • Die akute Nierenbeckenentzündung kommt meist einseitig vor und ist häufig Folge einer aufsteigenden Harnwegsinfektion. Von der Harnröhre oder Blase aus wandern Keime über den Harnleiter in die Niere. Bestimmte Faktoren wie Harnstau oder Abflussbehinderungen fördern die Entstehung einer Entzündung des Nierenbeckens. Mädchen und Frauen erleiden häufiger Harnwegsinfekte als Jungen und Männer, da ihre Harnröhre kürzer ist und Bakterien deshalb leichter in die Blase gelangen. Frauen sind deshalb hundertmal häufiger betroffen als Männer. Der Krankheitsbeginn ist plötzlich.
  • Die chronische Nierenbeckenentzündung kann sich aus nicht behandelten oder immer wiederkehrenden akuten Entzündungen entwickeln. Auch Urintransportstörungen wie das Zurückfließen des Urins von der Blase in das Nierenbecken können chronischen Nierenbeckenentzündungen zugrunde liegen. Möglich ist eine chronische Schädigung der Nieren mit teilweisem oder vollständigem Verlust der Nierenfunktion. Man spricht von Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) oder Nierenversagen.

Ursachen

Die akute Nierenbeckenentzündung ist häufig Folge einer aufsteigenden Infektion. Meist sind bestimmte Bakterien aus dem Darm verantwortlich. Einige Faktoren fördern die Entwicklung der Infektion:
  • höheres Lebensalter
  • Hormone: Hormonelle Veränderungen etwa während der Schwangerschaft oder nach den Wechseljahren
  • Blasen- und Nierensteine
  • Harnabflussstörungen oder Harnstau
  • Stoffwechselstörungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).
Auch Patienten mit einem dauerhaften Blasenkatheter und Menschen mit Immunschwäche entwickeln leichter eine Nierenbeckenentzündung. Der chronischen Form können wiederkehrende akute Entzündungen oder Abflussstörungen der ableitenden Harnwege zugrundeliegen. Infolge der Entzündungen wird Nierengewebe zerstört und es entstehen Narben.

Diagnose zu Nierenbeckenentzündung

Die Beschwerden lassen meist schon den Verdacht auf eine akute Nierenbeckenentzündung aufkommen. Die körperliche Untersuchung kann Schmerzen im Bereich der Nieren ergeben.
Insbesondere das Beklopfen der Flankengegend kann diese verursachen. Weiterführende Blut- und Urinuntersuchungen decken Entzündungszeichen sowie Nierenfunktionsstörungen auf.

Im Urin lässt sich eine Entzündung anhand von Entzündungszellen (Leukozyten) und dem Nachweis von Bakterien belegen. Die nähere Bestimmung des auslösenden Keims ist im Labor möglich.
Eine Ultraschalluntersuchung der Nieren ermöglicht die Beurteilung der Nierengröße und -form sowie der ableitenden Harnwege. Auch Steinleiden lassen sich identifizieren.
Um Abflussstörungen oder ein Zurückfließen von Urin aus der Blase in die Nieren festzustellen, ist nach der Behandlung meist eine Röntgenuntersuchung (Ausscheidungsurografie) oder eine CT-Untersuchung nötig. Selten, insbesondere bei wiederkehrenden Entzündungen, führt auch eine Blasenspiegelung weiter.

Symptome

Die akute Nierenbeckenentzündung beginnt plötzlich:

  • Fieber eventuell mit Schüttelfrost
  • Übelkeit, möglicherweise Erbrechen
  • Flankenschmerzen, die bei Druck und Erschütterung zunehmen können.
Möglicherweise leiden Betroffene unter Brennen beim Wasserlassen, häufigem oder erschwertem Wasserlassen. Auch Bauschmerzen sowie Kopfschmerzen kommen vor.
Die chronische Nierenbeckenentzündung verursacht nicht immer Beschwerden, was sie besonders gefährlich macht. Kommen Beschwerden vor, sind diese nicht unbedingt charakteristisch für die Erkrankung.
Möglich sind:
  • unklares leichtes Fieber
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • diffuse Rückenschmerzen
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme.
Möglich sind häufiges Wasserlassen, große Harnmengen und nächtliches Wasserlassen. Schmerzen hierbei können ebenfalls vorkommen, sind aber nicht unbedingt typisch. Bei fortgeschrittener Erkrankung können Bluthochdruck und Blutarmut auffallen.

Behandlung zu Nierenbeckenentzündung

Deuten die Beschwerden und Untersuchungsergebnisse aus der Urinuntersuchung auf eine Nierenbeckenentzündung hin, erhält der Betroffene sofort für etwa eine Woche Antibiotika, die die Infektion bekämpfen.
Ein Wirkstoff mit breitem Wirkungsspektrum (Breitbandantibiotikum) ist geeignet, weil er gegen eine Vielzahl von Keimen wirkt. Stellt sich bei der Laboruntersuchung heraus, das das verursachende Bakterium mit einem bestimmten Mittel besser zu behandeln ist, ist die Auswahl eines anderen Antibiotikums möglich.

Daneben ist eine ausreichende Flüssigkeitzufuhr mit mindestens zwei Litern Flüssigkeit wichtig, damit die Nieren gut durchspült werden. Unter körperlicher Schonung (Bettruhe) sollte die Entzündung rasch abklingen.
Starke Schmerzen lassen sich mit krampflösenden Medikamenten lindern.
Bei der chronischen Nierenbeckenentzündung ist es sinnvoll, Untersuchungen aus dem Labor abzuwarten. Gegen die Bakterien hilft ein gezielt eingesetztes Antibiotikum. Liegen Harnabflusstörungen vor, ist eine gezielte Behandlung der Ursachen notwendig.

Prognose

Nach etwa 24 Stunden hat das Antibiotikum meist eines spürbare Wirkung erreicht und die Beschwerden bessern sich. Dennoch müssen Betroffene das Antibiotikum unbedingt bis zum vorgesehenen Ende der Behandlung weiter einnehmen, damit die Infektion komplett abheilt.
Es ist dann mit keinen Folgeschäden zu rechnen. Heilt die Entzündung nicht vollständig aus, kann es zur Bildung von Abszessen kommen. Eine chronische Nierenbeckenentzündung ist die mögliche Folge.
Schwerwiegend ist die Entstehung einer Blutvergiftung (Sepsis). Die chronische Nierenbeckenentzündung heilt schwerer aus, zumal häufig Ursachen zugrundeliegen, die behoben werden müssen.

Selbsthilfe zu Nierenbeckenentzündung

Der akuten Nierenbeckenentzündung lässt sich häufig vorbeugen.
  • Eine ausreichend hohe Trinkmenge sorgt für eine gute Durchspülung der Harnwege
  • Die Reiniging nach dem Toilettengang sollte immer von vorne nach hinten erfolgen, damit Darmkeime nicht in die Harnröhre gelangen
  • Hygiene während der Periode besteht im häufigen Wechseln von Binden und Tampons. Längeres Tragen ist mit Bakterienwachstum verbunden
  • Nasse Badebekleidung sollte immer mit trockener Kleidung gewechselt werden. Es droht Unterkühlung
  • Schutz vor Nässe und Kälte
  • Nach dem Geschlechtsverkehr sollten Frauen möglichst Urin lassen, damit Keime nicht in die Harnwege gelangen.
Auch das Waschen mit Seife und Intimssprays reizen die Harnröhe und können Infektionen begünstigen. Reinigung mit lauwarmen Wasser ist ausreichend.

Links zu Nierenbeckenentzündung

Prof. Dr. med. J. Mann, Städtisches Klinikum München GmbH
Klinik für Nieren- Bluthochdruck-
und Rheumakrankheiten
Kölner Platz 1
80804 München
http://www.nierenbuch.de/

AMGEN GmbH
Hanauer Straße 1
80992 München
Tel: 089 - 149 09 60
Fax: 089 - 149 096-2000
http://www.niere.org/

Bundesverband Niere e.V.
Weberstraße 2
55130 Mainz
Tel: 06131 - 851 52
Fax: 06131 - 835 198
E-Mail: geschaeftsstelle@bnev.de
http://www.bundesverband-niere.de/412/die-niere/

Berufsverband der Deutschen Urologen e.V.
Uerdinger Str. 64
40474 Düsseldorf
http://www.urologenportal.de/nieren_und_harnwegsinfektionen.html

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
Klinikum Hannover-Oststadt
KfH-Nierenzentrum
Podbielskistr. 380
30659 Hannover
http://www.dgfn.eu/patienten/was-nieren-krank-macht/nierenbeckenentzuendung-pyelonephritis.html
Autor: Hofmann, Julia01.03.2015

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