Morbus Crohn bei Baby und Kind

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Wissen zu Morbus Crohn bei Baby und Kind

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Darmrohres. Überwiegend ist der untere Abschnitt des Dünndarms und des Dickdarms betroffen. Bei schwerwiegenden Fällen kann sich die Entzündung allerdings auch vom Mund bis zum After hin ausdehnen. Diese Entzündung verursacht Krankheitsschübe, die sich im längeren Verlauf eher abschwächen, aber selten ganz aufhören.
Zwischen diesen Krankheitsphasen liegen dann häufig beschwerdefreie Zeiten. In Fällen, in denen sich die Entzündung auf alle Schichten der Darmwand ausbreitet, kann es zu Vernarbungen, Auswüchsen oder auch zu einer Verengung des Darmrohres kommen.
Schleimhauteinrisse sind ebenso möglich. Bei schwereren Verläufen bilden sich entzündliche Gänge, die neben dem After Eiter ausleiten (Fisteln). Die Erkrankung trat vor 20 Jahren noch selten auf. Seitdem zeigt sich allerdings eine steigende Tendenz, es ist eine Verdreifachung der Krankheitsfälle bei Kindern zu beobachten. Kinder vor der Pubertät sind am häufigsten betroffen. Kleinkinder weniger häufig, aber die Erkrankung tritt auch bei Ihnen auf.

Ursachen

Die Ursachen sind nicht endgültig geklärt. Es wird eine familiäre Häufung beobachtet und somit von erblichen Faktoren ausgegangen. Aus psychologischer Sicht betrachtet gehört Morbus Crohn zu den „Holy 7“ des psychosomatischen Formenkreises, was bedeutet, dass psychische Faktoren der Erkrankung vorausgehen. Allgemein existiert der Ansatz, dass das Kind irgendetwas nicht verarbeiten kann und sich überfordert fühlt.
Nicht selten findet sich eine strenge oder kontrollierende Mutter.

Der vom Kind subjektiv erlebte Druck wird häufig gegen sich selbst gerichtet.
Diese selbstzerstörerische Konflikbewältigung kann sich körperlichen auswirken. Mit der Folge, dass bei der Hälfte aller Patienten ein erhöhter Anteil weißer Blutkörperchen festgestellt werden kann, der eigentlich für die Immunantwort ausschlaggebend ist. Hier aber zu Angriffen auf das eigene Gewebe führt. Man spricht in diesem Fall von einer autoimmunologisch bedingten Entzündung. Eigene Antikörper wenden sich gegen körpereigene Darmzellen.

Da es sich gehäuft um den unteren Dünndarm handelt, der in seiner normalen Funktion die Nährstoffe aus der Nahrung zieht, liegt es auch nicht fern, anzunehmen, dass sich das Kind nicht genährt fühlt – im wortwörtlichen und im übertragenen Sinne. Psychosoziale Therapieansätze sollten hier nicht unterschätzt werden. Als dritte mögliche Ursache kommen Darm-Virusinfektionen als schädigende Einflüsse in Betracht.

Diagnose zu Morbus Crohn bei Baby und Kind

Die ersten Symptome zeigen sich eher uncharakteristisch und so wird Morbus Crohn oft erst nach Jahren erkannt. Bestätigt sich ein erster Verdacht, werden zunächst Stuhlproben auf Krankheitskeime untersucht. Eine Darmspiegelung kann die Entnahme einer Gewebeprobe sinnvoll machen. Ebenso eine Blutbilduntersuchung auf Entzündungswerte wie C-reaktives Protein.
Hat sich der Verdacht erhärtet, lassen sich mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung des Verdauungstraktes (mit Kontrastmittel) Morbus Crohn typische Veränderungen im Darm sichtbar machen. Schleimhautschädigungen, die sich noch in einem Frühstadium befinden, lassen sich besonders gut über eine Darmspiegelung entdecken.
Weiterhin kann auch ein Ultraschall zum Erkennen einer streckenweise auftretenden Veränderung in der Darmschleimhaut sinnvoll sein, oder für eine eventuell erforderliche genauere Bestimmung von Lage und Beschaffenheit der entzündlichen Prozesse dienen.

Symptome

Bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich häufig zuerst die unspezifischen Symptome wie etwa: Müdigkeit, Gewichtsabnahme und Bauchschmerzen. Letztere sind meistens im unteren rechten Bauchraum. Symptomatisch sind auch Übelkeit und Erbrechen, sowie Fieber und seltener auch Magersucht.
Ein Arzt sollte konsultiert werden, wenn Sie folgende Beschwerden bemerken:
  • Appetitlosigkeit und/oder Gewichtsverlust
  • kolikartige Bauchschmerzen
  • Durchfall von mild bis heftig oder Blut im Stuhl
  • offene Stellen an der Mundschleimhaut (Mundaphten),
  • Einrisse am After.

Behandlung zu Morbus Crohn bei Baby und Kind

Bei Verdacht auf Morbus Crohn, werden akute Entzündungen medikamentös behandelt. Als entzündungshemmende Mittel werden oft Salicylsäure-Derivate oder auch Präparate eingesetzt, die Kortison enthalten.
Manchmal liegen gleichzeitig bakterielle Infektionen vor. In diesen Fällen erfolgt wie bei diagnostizierten Fisteln eine Therapie mit Antibiotika. Eine Darmoperation kann bei Gefahr eines Darmverschlusses notendig werden. besteht.
Eine Autoimmunreaktion kann zu einer Entzündung von Gelenken, Augen oder auch der Haut führen. Gegebenenfalls wird durch eine vorübergehende Hemmung der eigenen Immunabwehr (Immunsuppression) der Gesamtzustand stabilisiert.

Prognose

Die Heilungschance ist vom Grad der Erkrankung abhängig. Viele Morbus Crohn-Erkrankte haben eine normale Lebenserwartung. Trotz bekannter Fälle völliger Ausheilung gehört Morbus Crohn schulmedizinisch zu den chronischen, in der Regel, unheilbaren Erkrankungen. Die Beschwerden lassen sich lindern. Symptomatisch ist, dass Koliken auch nach jahrelanger Beschwerdefreihet wieder auftreten können. Betroffene Kinder sollten bei einer einmal gestellten Diagnose regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen.

Selbsthilfe zu Morbus Crohn bei Baby und Kind

Bei der Ernährung ist ein Verzicht auf weißen Zucker und gehärtete Fette empfehlenswert, da diese den Darm belasten. Dies gilt nicht nur für an Morbus Crohn Erkrankte. Verzichten sollte ein betroffenes Kind aber außerdem auf oxalsäurereiche Lebensmittel wie Rhabarber, Spinat, Stachelbeeren, Kakao oder Schokolade.
So lässt sich das Risiko, an Nieren- oder Harnleitersteinen zu erkranken, senken. Heranwachsenden wird geraten, auf Zigaretten und auch auf die Anti-Baby-Pille zu verzichten. Bei einem nachgewiesenen Mangel an Vitaminen oder Mineralsalzen müssen diese Stoffe entsprechend zugeführt oder ersetzt werden.

Familien-Situation
Überdacht werden sollte auch die seelische Situation innerhalb der Familie. Fragestellungen können dabei sein:
  • Welche Themen sind bei uns tabu?
  • Welche Anforderungen stelle ich an das Kind?
Suchen Sie dafür therapeutische Begleitung auf oder wagen Sie eine Familienaufstellung. Oft kann das kranke Kind verdrängte, also Ihnen völlig unbewusste Aspekte der Familiengeschichte „nicht verdauen".

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Autor: Koll, Livia27.07.2014

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