Morbus Bechterew

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Wissen zu Morbus Bechterew

Wer morgens nur schwer aus dem Bett kommt, weil sich der ganze Körper steif anfühlt, muss nicht direkt an Morbus Bechterew erkrankt sein. Der Verdacht liegt jedoch nahe, wenn:
  • diese Bewegungseinschränkung regelmäßig auftritt
  • etwa um die 30 Minuten oder länger andauert und
  • zudem mit einem für Morbus Bechterew typischen Schmerz im unteren Rücken verbunden ist.
Bei der medizinisch auch Spondylitis ankylosans bezeichneten Krankheit handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Versteifung der Wirbelsäule. Dabei verursachen Entzündungen der Bänder und Gelenke der Wirbelsäule ein Verknöchern und Verbiegen der Wirbelsäule.
Nach Monaten bis Jahren bewirkt dies ein Abflachen des Lendenwirbelbereichs und ein Herauswölben des Brustwirbelbereichs, wodurch das typische Krankheitsbild eines Buckligen entsteht.
Meistens verlaufen diese Entzündungen in Schüben, die nicht selten nach Jahren völlig verschwinden können.
Die Erkrankung beginnt in der Regel im Alter zwischen 15 und 40 Jahren und tritt bei Männern wie Frauen etwa gleich häufig auf. Wobei der Krankheitsverlauf bei Frauen oft abgeschwächter erfolgt. Die Wahrscheinlichkeit, als Europäer an Morbus Bechterew zu erkranken, liegt etwa bei einem Prozent.

Ursachen

Ist HLA-B27 der Auslöser? Ein Vorkommen dieses Erbfaktors in Kombination mit Umwelteinflüssen wird nach derzeitigem Forschungsstand oft als Ursache für Morbus Bechterew angeführt.
Zugleich wird jedoch auch davon ausgegangen, dass dieses Erbmerkmal für eine Erkrankung nicht alleinverantwortlich ist. Nur etwa acht Prozent der europäischen Bevölkerung sind Träger des Proteinkomplexes, welcher Störungen im Autoimmunsystem verursachen kann. Wiederum circa 90% der an Morbus Bechterew Erkrankten zeigen diesen Marker.

Zwar kann HLA-B27 bei HIV-infizierten Trägern den vorteilhaften Effekt eines verzögerten Ausbruchs von AIDS haben, führt jedoch sonst häufig zur Irritation unserer eigenen „Abwehrpolizei“ im Körper.
Das heißt, der Körper kann nicht mehr richtig zwischen fremden und eigenen Abwehr-zellen unterscheiden. „Schlechte“ Bakterien, wie beispielsweise Erreger von Durchfall, werden nicht mehr vollständig abgebaut. Daraus resultieren Entzündungen, die zu Morbus Bechterew führen können. Warum die Entzündungen vordringlich an der Wirbelsäule entstehen, ist bisher nicht erforscht.

Diagnose zu Morbus Bechterew

Ausgangspunkt ist stets ein Schmerz im unteren Rücken. Dieser kommt von ersten entzündlichen Erscheinungen am so genannten Iliosakralgelenk, dem nur wenig beweglichen Kreuzbein-Darmbein-Gelenk.
Neben in Gesäß und Oberschenkel ausstrahlenden Schmerzen, die durch Husten und Niesen verstärkt werden, ist das Gefühl der Unbeweglichkeit nach langen Ruhephasen ein erstes Indiz für Morbus Bechterew.
Letzteres tritt insbesondere morgens nach dem Aufstehen auf und bessert sich durch Bewegung. Sind Müdigkeit und Abgeschlagenheit Begleiterscheinungen und halten die Rücken-schmerzen mehr als drei Monate an, kann von einer Erkrankung an Morbus Bechterew ausgegangen werden.

Weitere frühzeitige Indizien sind:
  • gelegentliche Schmerzen in Hüfte, Knie und Schulter
  • Schmerzen in der Ferse
  • Gewichtsverlust.
Mit fortschreitender Erkrankung „kriecht“ der Schmerz vom unteren Rücken die zunehmend versteifende Wirbelsäule hinauf. Die Entzündungen können sich zudem auf die Knie-, Schulter- und vor allem Hüftgelenke und auch Sehnen ausbreiten, was die Unbeweglichkeit am Morgen noch verstärkt.
Nicht selten fällt später selbst das Atmen schwer, weil das Heben und Senken des Brustkorbs schmerzhaft ist.
Bei etwa 30-50% der Erkrankten kann es zudem zur Entzündung der vorderen Augenkammer und Regenbogenhaut kommen - mit der Konsequenz erhöhter Lichtempfindlichkeit und geröteter, schmerzhafter Augen. Selten treten durch Morbus Bechterew bedingte Entzündungen am Herzen oder der Lunge auf.

Ist dies jedoch der Fall, kann es zu Klappenfehlern am Herzen beziehungsweise Bindegewebseinla-gerungen in den Lungenoberlappen, einer so genannten Lungenfibrose, führen. Anhand von Röntgenaufnahmen und mittels Magnetresonanztomographie können sowohl Veränderungen an Gelenken wie auch in den Weichteilen festgestellt werden, um Morbus Bechterew zu diagnostizieren oder auszuschließen. Über Blutproben wird zudem die Entzündung im Körper sichtbar.

Behandlung zu Morbus Bechterew

Weil diese Krankheit nicht heilbar ist, wird die regelmäßige Teilnahme an einer Krankengymnastik empfohlen. Ziel muss es sein, die Beweglichkeit solange wie möglich zu erhalten. In zweiter Instanz erfolgt eine Schmerztherapie, die nicht nur den für die Bechterewsche Krankheit typischen Schmerz lindern, sondern durch Hemmung entzündungsfördernder Botenstoffe auch den Krankheitsverlauf verzögern soll.
Hilft dies nicht, kann eine Behandlung mit Radioaktivität vom Arzt empfohlen werden. Daneben können unter anderem Wärme- und Kältetherapien begleitend zum Einsatz kommen, weil beide schmerzlindernd wirken.

Zu Hause sind also kleine Hilfsmittel wie ein warmes Vollbad vorm zu Bett gehen, eine Heizdecke oder Wärmflasche im Bett oder eine warme Morgendusche vorteilhaft. Professionell wird der Erkrankung mit Infrarotbestrahlung, Fangopackungen oder Elektrotherapie begegnet.
Bei der Kälte-Therapie kommt neben der Schmerzlinderung auch der Effekt der Entzündungshemmung hinzu und ist insbesondere in den Phasen der Entzündungsschübe besonders wirksam.

Hierzu werden zum Beispiel Gelenke mittels Eis- oder Gelpackungen gekühlt. In so genannten Kältekammern wird dagegen der komplette Körper gekühlt. Weil der Patient danach weniger Schmerzen empfindet, wird im Anschluss bewegungstherapeutisch mit dem Patienten gearbeitet.
Operativ wird nur eingegriffen, wenn das Hüftgelenk beispielsweise zu stark betroffen ist und deswegen durch ein künstliches Gelenk ersetzt werden muss.

Prognose

Grundsätzlich ist Morbus Bechterew zwar nicht heilbar, jedoch muss es nicht zur vollständigen Versteifung der Wirbelsäule kommen. Die meisten Erkrankten können daher auch weiterhin ihren Beruf ausüben. Mittels Bewegung im Alltag und unterstützender Krankengymnastik kann der Verlauf positiv beeinflusst werden.

Selbsthilfe zu Morbus Bechterew

Eine richtige Vorbeugung gibt es gegen Morbus Bechterew nicht. Jedoch gilt wie so oft: wer rastet, der rostet! Daher empfiehlt sich, regelmäßig die Beweglichkeit der Wirbelsäule und vor allem die Rückenmuskulatur zu trainieren.
Zudem heißt es im wahrsten Sinne des Wortes: Haltung bewahren! All diese Ziele verfolgt Pilates!
Dieses Dehnungs- und Kräftigungstraining für die Muskulatur trägt nicht nur zur Mobilisation der Wirbelsäule bei, sondern schult zugleich Ihre Körperhaltung und das Bewusstsein für Ihren eigenen Körper.

Links zu Morbus Bechterew

Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V. (DVMB)
Bundesverband
http://www.bechterew.de
Autor: Fischer, Jana03.08.2014

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