Migräne

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Wissen zu Migräne

Migräne ist ein anfallsartiger, sehr starker Kopfschmerz, der mit körperlichen Begleitsymptomen einher geht und in periodischen Abständen immer wiederkehrt. Meist ist der Kopfschmerz einseitig und geht mit Übelkeit und Erbrechen einher.
Zudem sind Betroffene meist licht- und lärmempfindlich. Bei einem Migräneanfall verengen sich die Blutgefäße im Gehirn, wodurch ein Sauerstoffmangel entsteht, der wiederum Kopfschmerzen verursacht.
Ebenso haben biochemische Prozesse ihren Anteil an der Schmerzentstehung, denn bei einem Migräne-Anfall sinkt der Serotonin-Spiegel (körpereigener Botenstoff), der unter anderem schmerzhemmend wirkt. Migräne-Anfälle können regelmäßig in kurzen Abständen wieder kehren, dann aber für Wochen oder gar Jahre ausbleiben.

Noch keine Heilung aber Linderung möglich
Migräne gehört zu den häufigsten Erkrankungen schlechthin. Sie beginnt meist nach der Pubertät und tritt nach dem 40. Lebensjahr nur selten neu in Erscheinung. Menschen, bei denen Migräne in der Familie vorkommt, haben ein höheres Erkrankungsrisiko.
Migräne gilt bisher als nicht heilbar, dennoch sind in den letzten Jahren neue, wirkungsvolle Möglichkeiten entwickelt worden, sodass Migräne erfolgreich behandelt werden kann.

Diagnose zu Migräne

Die ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) ist für die Diagnosestellung einer Migräne ebenso wichtig, wie die neurologische Untersuchung, weil es keine spezifischen Laboruntersuchungen dazu gibt.
Die Apparateuntersuchungen, wie EEG oder eine Kernspintomographie dienen dazu, andere Erkrankungen auszuschließen. Auch Tumore, Kopfverletzungen oder Entzündungen können starke Kopfschmerzen auslösen und müssen daher bedacht werden.
Die "echte" Migräne muss zudem von anderen Kopfschmerzformen abgegrenzt werden, wie Spannungs-, Medikamenten- oder Cluster-Kopfschmerz, da die Migräne oft speziellerer Medikamente bedarf.

Mit oder ohne Aura:
Grundsätzlich sind zwei Formen der Migräne zu unterscheiden: Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura.
Häufiger leiden Betroffene unter der Migräne ohne Aura, die sich durch pulsierende, allmählich stärker werdende und meist einseitige Kopfschmerzen zeigt. Häufig ist die Stirn besonders betroffen.
Übelkeit und Erbrechen sowie starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit sind häufige Begleitsymptome. Normale körperliche Aktivitäten wie Treppensteigen oder schnelles Gehen können die Migräne verstärken.
Diese Kopfschmerzen halten etwa 4 bis 72 Stunden an. Bei etwa zehn bis zwanzig Prozent der Migräne-Betroffenen erscheinen zusätzliche neurologische Symptome, die als "Aura" bezeichnet werden. Sie dauern etwa 40 Minuten an und gehen der eigentlichen Kopfschmerzphase voraus.

Diese können - einzeln oder kombiniert - sein:
  • Sehstörungen: merkwürdige Figuren im Gesichtsfeldbereich, wie Lichtblitze, Zickzack-Linien (Fortifikationen) oder schwarze Löcher (Gesichtsfeldausfälle)
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Kribbeln oder Schwäche in einem Arm oder Bein
  • Sprachstörungen (eher selten).

Die vier Phasen einer Migräne-Attacke:
Eine Migräne-Attacke verläuft klassischerweise in vier Phasen:
  • Vorphase (Prodromalphase): die Migräne kündigt sich einige Stunden bis Tage vor der Attacke durch Vorboten wie Übellaunigkeit, erhöhte Reizbarkeit oder Heißhunger an.
  • Auraphase: neurologische Begleiterscheinungen treten auf und verschwinden meist wieder, sobald die eigentliche Kopfschmerzphase einsetzt.
  • Kopfschmerzphase: die für Migräne typischen Kopfschmerzen setzen ein, von pochend über pulsierend bis krampfartig und verstärken sich über die nächsten Stunden zunehmend.
  • Rückbildungsphase: allmählich nehmen die Symptome ab. Betroffenen fühlen sich müde und erschöpft und brauchen bis zu 24 Stunden, um sich von dem Migräneanfall zu erholen.

Behandlung zu Migräne

Medikamente gegen Migräne
Häufig helfen die üblichen und frei verkäuflichen Schmerzmittel bei Migräneanfällen nicht. Bei Beginn einer leichten Migräne-Attacke kann ein Mittel gegen Übelkeit (Antiemetikum) eingenommen werden, welches das Erbrechen verhindert und zusätzlich bewirkt, dass ein spezifisches Schmerzmittel besser wirken kann.

Bei schweren Migräne-Attacken werden recht erfolgreich Triptane eingesetzt, die Gegenspieler des Hormons Serotonin. Am wirksamsten sind auch sie, wenn sie gleich zu Beginn der Kopfschmerzphase eingesetzt werden. Gleichzeitig helfen Triptane auch gegen Begleiterscheinungen der Migräne, wie Übelkeit und Erbrechen. Spezielle Medikamente gegen die Aurasymptomatik gibt es bisher nicht.

Prognose

Migräne ist eine chronische Erkrankung, die als nicht heilbar gilt und deren Symptome daher nur gelindert werden können. Im krankheitsfreien Intervall kann eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe dazu beitragen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren sowie die Dauer und den Schweregrad der Attacken zu verringern.

Auf lange Sicht sollte die medikamentöse Behandlung durch nicht medikamentöse Therapien unterstützt werden. Bewährt haben sich Entspannungsübungen, wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung in Kombination mit Ausdauersport.
Auch Akupunktur kann Linderung verschaffen. Bei einigen Betroffenen reduziert sich die Anfallshäufigkeit nach dem 40. Lebensjahr ohne erkennbare Ursache. Sofern die Frequenz der Anfälle steigt, ist ein medikamentenreduzierter Kopfschmerz wahrscheinlich, der durch die zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln entstehen kann.

Selbsthilfe zu Migräne

Informieren und aktiv werden
Migräneattacken stellen sich häufig bei plötzlichen Lebensveränderungen ein, deshalb ist für Migränebetroffene die Einhaltung gewohnter Abläufe besonders wichtig. Stress, die Veränderung des Schlaf-Wachrhythmus oder ausgiebiges Feiern können eine Migräne begünstigen und sollten daher vermieden werden.
Das Internet, Broschüren und Bücher bieten eine wichtige Informationsbasis für ein besseres Verständnis der Migräne. Erkenntnisse und Erfahrungen können in einer Selbsthilfegruppe ausgetauscht werden, um die Auswirkungen zu mildern.

Betroffenen kann schon der Aufenthalt in einem abgedunkelten Raum und die Reduktion von Geräuschquellen helfen. Ein Eisbeutel auf der Stirn kann zusätzliche Linderung verschaffen oder auch eine Schläfenakupressur. Aktive Informations-suche und Erfahrungsaustausch hilft bei der Krankheitsbewältigung.

Migränekalender
Ein Migränekalender, in dem die Schmerzattacken und deren Begleitumstände dokumentiert sind, ist eine wichtige Informationsquelle für den Betroffenen und den behandelnden Arzt. Auslöser, Verstärker oder zeitliche Abstände zwischen den Migräneattacken können auf diese Weise identifiziert werden.
Auch vorbeugende Maßnahmen oder Selbsthilfestrategien können besser herausgefunden werden, wenn sie dokumentiert sind. Migränekalender werden von verschiedenen Pharmafirmen kostenlos angeboten.

Daten/Fakten zu Migräne

Erhebliche Unterschiede verschiedener Migräneformen
Erhebungen zufolge sollen fast 15 Prozent der Frauen und etwa sieben Prozent der Männer unter Migräne leiden. 22 verschiedene Formen von Migräne unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander.
Insbesondere während der Auraphase können die Beschwerden sehr unterschiedlich sein, sodass selbst Ärzte nicht immer gleich eine Migräne hinter Symptomen vermuten. Obwohl die Lebensqualität Betroffener sehr stark eingeschränkt ist, begeben sich nur etwa ein Drittel in regelmäßige ärztliche Behandlung.

Links zu Migräne

Deutsche Migränegesellschaft
Wissen über Kopfschmerzen für Fachkreise und Patienten
http://www.dmkg.de/

MigräneLiga Deutschland
Hilfe zur Selbsthilfe für Migräne-Patienten
http://www.migraeneliga-deutschland.de

Migräne-Infoseite von GlaxoSmithKline
Fakten, Tipps und Hintergründe
http://www.migraene-info.de
Autor: Huth, Dörthe03.08.2014

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