Magenpolypen

WissenDiagnoseBehandlungSelbsthilfe

Wissen zu Magenpolypen

Magenpolypen sind die häufigste Form gutartiger Magentumore. Sie können einzeln oder in einer Vielzahl auftreten und breitflächig als halbkugelige Vorwölbung auf der Schleimhaut oder an einem dünnen Stiel in Erscheinung treten. Diese Polypen können im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) entdeckt werden.

Die Unterscheiung erfolgt nach der feingeweblichen Struktur:
Adenomatöse Polypen:
  • von den Drüsen der Magenschleimhaut ausgehend
  • gelten als Krebsvorstufe mit einer Entartungswahrscheinlichkeit von 20 Prozent
Hyperplasiogene Polypen:
  • bestehen aus unregelmäßig gewachsenen Drüsen mit entzündlichen Anteilen
  • werden selbst fast nie bösartig
  • ihre Anwesenheit bedeutet aber eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Magenkrebs
Drüsenkörperzysten:
  • sind zystisch (Eine Zyste ist ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum)
  • treten bei der Polyposis ventriculi in Vielzahl (50 - 100 Polypen) auf
Magenpolypen können auch im Rahmen zahlreicher sogenannter Syndrome in Kombination mit anderen Krankheitserscheinungen auftreten. Als Beispiel ist hier das Peutz-Jeghers-Syndrom (Magen-Darm-Polypen, kombiniert mit Melaninflecken an Lippen und Mundschleimhaut) zu nennen.

Ursachen

Die Ursache für das Entstehen von Magenpolypen ist, abgesehen von den ererbten Formen, nicht sicher bekannt. Es sind allerdings einige Umweltfaktoren bekannt, die das Magenkrebs - Entstehungsrisiko bei bestehenden gefährdenden Erkrankungen wie Magenpolypen erhöhen. Dazu gehören ein erhöhter Salzgehalt der Nahrung, gegrilltes und geräuchertes Fleisch oder Fisch sowie stark gebackene stärkehaltige Produkte.

Diagnose zu Magenpolypen

Jegliche neu aufgetretenen oder länger anhaltenden Oberbauch-beschwerden sollten abgeklärt werden. Bei Magenbeschwerden ist allenfalls ein zwei- bis dreiwöchiger Therapieversuch gerechtfertigt. Bei fortbestehenden Beschwerden muss danach eine gastroskopische Abklärung erfolgen. Gerade weil die Symptome einer bösartig werdenden oder gewordenen Magenerkrankung längere Zeit nicht in Erscheinung treten müssen, sollte unbedingt auch geringen Beschwerden, die anhaltend sind, diagnostisch nachgegangen werden.

Erfolgt die Vorstellung beim Arzt erst bei gravierenden Beschwerden mit starken Schmerzen und Gewichtsverlust, liegt in der Regel bereits ein fortgeschrittenes Tumorstadium vor, dessen Prognose dann zuhenmend schlecht ausfällt. Daher der dringende Appell: Diskrete Beschwerden nutzen, um womöglich nebenbefundlich einen Polypen zu entdecken, der noch nicht bösartig geworden ist.
Nach Entdecken eines oder mehrerer Magenpolypen sollte auch eine Darmspiegelung zum Ausschluß von Colonpolypen erfolgen, da beide Polypenarten oft gleichzeitig auftreten.

Symptome

Magenpolypen verursachen in der Regel keine Beschwerden. Auch ein bereits eingetretener Übergang in einen bösartigen Tumor wird oft nicht bemerkt. Die Symptome werden am ehesten von einer zeitgleich bestehenden Magenschleimhautentzündung oder einem Geschwür ausgelöst. Der Polyp selbst stellt dann meist im Rahmen der endoskopischen Abklärung einen Zufallsbefund dar. In dieser Situation kann es zu:
  • Oberbauchschmerzen, Druck, Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Appetitminderung, Ekel vor Fleisch
  • Gewichtsverlust
  • Abgang von okkultem, also nicht sichtbarem Blut im Stuhl
kommen.

Behandlung zu Magenpolypen

Die Behandlung der Magenpolypen besteht in deren Entfernung. Zur Diagnose und Therapie wird eine Magenspiegelung vorgenommen, bei der - in der Regel zufällig - ein oder mehrere Polypen entdeckt werden. Sind diese nur mit einem dünnen Stiel mit der Magenwand verwachsen und sind die übrigen Voraussetzungen seitens des Patienten erfüllt, kann eine endoskopische Abtragung vorgenommen werden.

Dabei wird durch das Gastroskop ein kleines Instrument geschoben, mit dem der Polyp gefasst und abgeschnitten wird sowie kleine Blutungen im Wundgrund versiegelt werden können. Sollte dies in seltenen Fällen nicht gelingen, eine Blutung nicht zum Stehen gebracht werden können oder die Magenwand verletzt werden, muss eine offene Magenoperation unmittelbar angeschlossen werden. Sofern bei der Magenspiegelung Polypen gefunden werden, die breit auf der Magenwand aufsitzen, erfolgt die Entfernung mittels einer Operation.

Vor der Magenspiegelung ist mit dem Patienten ein Aufklärungsgespräch zu führen, welches auf eine eventuell durchzuführende Polypenabtragung hinweist. Auch die Werte der Blutgerinnung sind vorab zu überprüfen.
Sofern feingeweblich eine chronische Magenschleimhautentzündung vorliegt, wird man begleitend eine medikamentöse Behandlung vornehmen. Sollte eine Infektion mit Helicobakter pylori, einem Keim, der eine Ursache für eine chronische Magenschleimhautentzündung darstellt und für Krebsentstehung verantwortlich sein kann, festgestellt werden, wird man diesen mittels einer Medikamentenkombination beseitigen.

Prognose

Viele Polypen stellen eine Krebsvorstufe dar und somit ist ihre Prognose langfristig schlecht. Daher hat ihre Entdeckung und Abtragung höchste Priorität, um mit der Entfernung des Polypen alle eventuell bösartig umgewandelten Zellen zu erfassen, bevor diese sich über die Polypengrenzen hinaus auf die Magenwand ausbreiten. In diesem Fall ist die Prognose sehr gut und die Magenkrebsgefahr zu diesem Zeitpunkt gebannt.

Selbsthilfe zu Magenpolypen

Es ist immer empfehlenswert, insbesondere neu aufgetretene Magenbeschwerden ernst zu nehmen und zeitig endoskopisch abklären zu lassen. Regelmäßige Vorsorgegastroskopien bei Risikoerkrankungen (chronisch-atrophische Gastritis, Helicobakter-pylori-verursachte Gastritis, Riesenfaltengastritis, Magen-Teilentfernung) sind ebenso angebracht wie der Verzicht auf langwierige, eigenmächtige Selbsttherapieversuche ohne Diagnose.

Rezeptfreie, hochwirksame (Magen-) Säurehemmer, die die Beschwerden einer Schleimhaut-entzündung oder eines Geschwürs lindern können und somit unter Umständen die frühestmögliche Diagnose einer bereits vorliegenden bösartigen Geschwürs verschleppen, sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Angesichts der schlechten Prognose von Magenkrebs sollte man jede Chance auf eine Frühdiagnose nutzen! Nicht der Krebs, sondern die eben auch vorliegende Entzündung macht zunächst die Beschwerden.
Autor: Schmitt, Sabine27.07.2014

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: