Kawasaki-Syndrom bei Baby und Kind

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Wissen zu Kawasaki-Syndrom bei Baby und Kind

Das Kawasaki-Syndrom, auch als mukokutanes Lymphknotensyndrom bekannt, kommt vor allem in Industrienationen vor und betrifft meist Kinder unter fünf Jahren, wobei Ein- bis Zweijährige am häufigsten erkranken. Es handelt sich um eine Entzündung der kleinen und mittelgroßen Arterien (nekrotisierende Vaskulitis) und ist ansteckend. Dennoch ist es aber alles andere als eine »typische Kinderkrankheit«. Anfänglich kann eine Verwechslung mit Masern oder Scharlach vorkommen. Grundsätzlich kann das Kawasaki-Syndrom alle Organe des kindlichen Körpers befallen.

Ursache

Die Ursache des bei uns seltenen Kawasaki-Syndroms ist noch weitgehend unbekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung.

Diagnose zu Kawasaki-Syndrom bei Baby und Kind

Zur Diagnose gehören:
  • Die Untersuchung des Blutbildes
  • Die Untersuchung hinsichtlich der Entzündungs-Kenngrößen
  • Die Ultraschall-Untersuchung des Herzens
Sowohl Teile der Diagnose als auch die Behandlung des Kawasaki-Syndroms machen die Einweisung in ein Krankenhaus erforderlich.

Symptome

Die Anzeichen für das Kawasaki-Syndrom ähneln zeitweise den Symptomen anderer Kinderkrankheiten. Diese lassen sich in drei Krankheitsabschnitte unterteilen, die einander ablösen:
  • Charakteristisch für das Kawasaki-Syndrom ist abrupt eintretendes, hohes Fieber, das bis zu zehn Tage anhalten kann. Die Ursache dieses Fieberanfalls lässt sich in der Regel nicht feststellen. Antibiotika zeigen in dieser akuten Phase keinerlei Wirkung, es muss bei Bedarf auf fiebersenkende Medikamente zurcückgegriffen werden. Das Fieber ist ein Symptom, das in 100% aller Fälle festgestellt wird.
  • In der subakuten Phase – Dauer etwa zwei bis vier Wochen – lassen sich in 70% aller Krankheitsfälle an Handflächen und Fußsohlen Rötungen feststellen, die in Schuppungen der Finger und Zehen übergehen.
  • Die Genesungsphase (Rekonvaleszenz) schließlich kann Monate dauern. Oftmals wird sie von Müdigkeit und Leistungsmangel begleitet.
Zusätzlich können andere Symptome auftreten
  • In neun von zehn Fällen sind während der hochfiebrigen Phase auch Mund und Lippen betroffen: Die Lippen zeigen sich trocken, geschwollen, hochrot und rissig. Neben einer Lackzunge, auch als Himbeer- oder Erdbeerzunge bekannt, lassen sich starke Rötungen und Schwellungen der Rachen- und Mundschleimhaut beobachten.
  • In 85% der Fälle geht das Kawasaki-Syndrom mit einer beidseitigen, nicht eitrigen Bindehautentzündung (Konjunktivitis) einher. Dabei färbt sich das Augenweiß rot.
  • Acht von zehn Kindern leiden während der ersten Krankheitsphase zusätzlich an einem nicht juckenden Hautausschlag, vornehmlich im Rumpfbereich. Sein Aussehen erinnert des Öfteren an Scharlach oder Masern, kann aber grundsätzlich unterschiedliche Erscheinungsweisen zeigen.
  • Sieben von zehn erkrankten Kindern weisen vergrößerte Lympfknoten im Bereich von Hals und Nacken auf.
  • Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall
  • Schmerzhafte Schwellungen der Gelenke
  • Entzündungen der Hirnhäute, begleitet von Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Nackensteife und Verlust des Gehörs – im Extremfall können sogar Krämpfe und Bewusstseinstrübungen auftreten
  • Befall von Nieren und ableitenden Harnwegen – dies zeigt sich durch Schmerzen beim Wasserlassen und Harndrang
  • Leber, Milz und – allerdings in Ausnahmefällen – Gallenblase können vergrößert sein
  • Herzmuskel, Herzbeutel und Herzkranzgefäße können angegriffen werden. Letzteres kann zur Aussackung der Gefäßwand führen, die einen Herzinfarkt begünstigt.

Behandlung zu Kawasaki-Syndrom bei Baby und Kind

  • Beim Kawasaki-Syndrom wird auf eine Therapie mit Immunglobulinen zurückgegriffen. Unter Immunglobulin wird eine Gruppe spezieller Antikörper verstanden, die körperfremde Substanzen abwehren sollen. Der Körper kann diese Immunglobuline normalerweise selbst bilden. Ist diese Körperfunktion ganz oder teilweise gestört, kann dieser Mangel durch entsprechende Präparate ausgeglichen werden.
  • Zusätzlich wird Acatylsalizylsäure verabreicht, um das Fiber zu senken und eine Zusammenballung der Blutplättchen zu vermeiden. Diese Verklumpung würde im Zuge verminderten Blutdurchflusses zu einer Gefäßverstopfung und damit zum Herzinfarkt führen.
  • Manchmal kommen auch noch kortisonähnliche Medikamente zum Einsatz.
Das Kawasaki-Syndrom muss mindestens sechs Wochen lang therapiert werden – vorausgesetzt, die Werte für Blut und Herzultraschall sind unauffällig. Auch nach Therapieende muss das kindliche Herz regelmäßig von einem Kinder-Kardiologen kontrolliert werden.

Prognose

Das Kawasaki-Syndrom ist unter anderem deshalb so gefährlich, weil es bei Entzündungen der Herzkranzgefäße als Folge zu besagten Aussackungen der Gefäßwände (Aneurysmen) kommen kann. Kommt es dazu, können die verdünnten Gefäßwände leicht platzen. Eine solche Ruptur kann leicht zum Tod führen. Damit Aneurysmen möglichst erst gar nicht entstehen, sollte das Kawasaki-Syndrom umgehend behandelt werden. Dennoch bietet eine Therapie keine Garantie dafür, dass eventuell bereits eingetretene Blutgefässausbeu-lungen sich wieder zurückbilden oder eine Stenose, also eine Verengung der Arterien, vermieden wird. Hier besteht auch bei erfolgreich abgeschlossener Therapie ein Restrisiko von zwei bis vier Prozent. Weiterhin können durch ein Kawasaki-Syndrom Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) auftreten, ebenso Entzündungen des Herzbeutels (Perikarditis). Mögliche, lebensbedrohliche Folgen sind Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen.

Daten/Fakten zu Kawasaki-Syndrom bei Baby und Kind

  • Das Kawasaki-Syndrom betrifft in unserem Land etwa fünf von 100.000 Kindern unter fünf Jahren. In Japan liegt diese Zahl bei etwa 185.
  • Kinder zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr sind besonders anfällig für eine Erkrankung.
  • Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.
  • Im Winter und im Frühjahr tritt die Krankheit besonders häufig auf.
  • Der japanische Kinderarzt Tomisaku Kawasaki hat diese Krankheit im Jahr 1967 zum ersten Mal in einer medizinischen Fachzeitschrift dokumentiert. Bereits sechs Jahre zuvor wurde die bis dahin in der Medizin unbekannte Krankheit von ihm erstmals beobachtet.

Links zu Kawasaki-Syndrom bei Baby und Kind

Dr. med. Christoph Irtel von Brenndorff
Balger Straße 50 (Stadtklinik)
76532 Baden-Baden
Kawasaki-Syndrom

Ärzteblatt.de
Ottostraße 12
50859 Köln
Wenn Kinder einen Arzt benötigen
Autor: Bertrams, Reimund27.07.2014

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