Hypochondrie

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Wissen zu Hypochondrie

Bei dauerhafter Furcht zu erkranken, zwanghafter Beobachtung jeder körperlicher Regung und Interpretation jeden Körpersignals als mögliches Zeichen einer ernstzunehmenden Erkrankung, liegt eine Hypochondrie vor.
Dabei handelt es sich um eine psychische Störung, nämlich die ängstliche und doch unbegründete Befürchtung, krank zu sein. Außer Hypochondrie wird die Erkrankung auch hypochondrische Störung, hypochondrisches Syndrom, hypochondrische Neurose oder auch Nosophobie (Krankheitsfurcht) genannt.

Betroffene suchen immer wieder nach Krankheitszeichen und beobachten akribisch ihre Herz- und Lungentätigkeit oder die Magen- Darmfunktionen.
Ihre Phantasien kreisen um die Zerstörung ihrer Organe. Das Ziehen in der Seite könnte Darmkrebs sein, ein Stechen in der Brust ein Hinweis auf einen Herzinfarkt. Besteht tatsächlich eine nachweisbare körperliche Erkrankung, wird diese unrealistisch überhöht interpretiert.

Betroffene leiden tatsächlich
Selbst wenn ein Arzt keine krankhaften Befunde findet und sachliche Gegenargumente erbringt, sind Betroffene nicht einsichtig. Sie lassen sich immer wieder von unterschiedlichen Ärzten untersuchen und behandeln, sodass keine Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient entstehen kann.
Die Hypochondrie als Einbildung eines Kranken abzutun, wird dem Krankheitsbild nicht gerecht. Betroffene leiden tatsächlich unter den Symptomen und Schmerzen, welche sie beschreiben.

Hypochondern ist ihr irrationales Verhaltens häufig bewusst, dennoch sind sie zu einer Verhaltensänderung nicht in der Lage. Wie die Erkrankung entsteht, ist bisher nicht geklärt, sicher ist aber, dass frühe Krankheitserfahrungen oder ärztliche Fehldiagnosen die Hypochondrie begünstigen.

Bei vielen Mitmenschen stößt Hypochondrie auf großes Unverständnis, die Betroffenen werden als wehleidig und aufmerksamkeitsfordernd erlebt. Dies führt nicht selten zu einem Rückzug aus dem sozialen Leben und Vereinsamung.

Diagnose zu Hypochondrie

Ein weiter medizinischer Weg bis zum Befund der Hypochondrie
Bei dem Verdacht auf Hypochondrie hat der Betroffene bereits einen weiten medizinischen Weg hinter sich gebracht, ist von Arzt zu Arzt gewandert und hat verschiedene Diagnosen und Symptomerklärungen erhalten.
Um die Hypochondrie zu diagnostizieren, werden alte Befunde herangezogen und spezielle Fragen zur Vorgeschichte (Anamnese) gestellt. Häufig zögern Ärzte damit, die Hypochondrie zu diagnostizieren, weil sie befürchten, sie könnten tatsächlich eine körperliche Erkrankung übersehen.
Kommt bei einem Hypochondrie-Betroffenen eine ernsthafte Erkrankung hinzu, fällt es Medizinern sehr schwer, diese von der Hypochondrie abzugrenzen.
Insgesamt müssen die folgenden Kriterien vorliegen, um eine Hypochondrie zu diagnostizieren:
  • Die Angst, unter einer schweren Erkrankung zu leiden, muss bereits sechs Monate bestehen
  • Der Alltag des Betroffenen ist durch die ausgeprägte Angst vor Gesundheitsschädigungen beeinträchtigt
  • Es darf kein körperlich begründbarer Befund die Störung erklären.

Ähnliche Erkrankungen ausschließen
Ähnliche Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Beispielsweise simulieren manche Menschen Erkrankungen, um medizinische Behandlungen, Aufmerksamkeit und Fürsorge zu erhalten (Münchhausen-Syndrom).
Auch die körperdysmorphe Störung oder Dysmorphophobie, bei der Betroffene ihre Körperteile als extrem entstellend werten, ist der Hypochondrie sehr ähnlich. Zudem leiden Betroffene häufig an Depressionen und Zwangsstörungen.
Die enge Verbindung zwischen Hypochondrie, Zwangsstörung und Depression legt die Vermutung nahe, dass alle drei Störungen eine Gemeinsamkeit haben.

Behandlung zu Hypochondrie

Körperliche Signale neu interpretiert
Häufig dauert es sehr lange, bis ein Betroffener eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nimmt. Da Hypochondrie-Betroffene davon überzeugt sind, an einer körperlichen Erkrankung zu leiden, fühlen sie sich bei einer Überweisung dorthin häufig nicht ernst genommen oder sogar gekränkt.
Die Gabe von Medikamenten hat sich in der Behandlung allerdings als wenig hilfreich erwiesen, weil sie die Krankheitsangst nicht nehmen können.
In der Psychotherapie können die Signale des Körpers neu interpretiert werden und über die Zeit wird verinnerlicht, dass nicht jedes Signal als Krankheitszeichen gewertet werden kann.
Zudem werden Verhaltensänderungen erarbeitet. Der Betroffene soll nicht mehr so häufig Ärzte aufsuchen und nicht mehr so häufig im Internet nach Krankheiten recherchieren, auch Selbstuntersuchungen und Selbstbeobachtungen sollten reduziert werden.

Prognose

Von Medizinern werden die Heilungsaussichten eher skeptisch betrachtet. Doch je früher eine Behandlung einsetzt, ums unauffälliger die Persönlichkeitsstruktur und je weniger sekundärer Krankheitsgewinn durch Zuwendung, Aufgabenentbindung und Schonung, umso günstiger die Prognose.
Laut neuerer Studien ist die kognitive Verhaltenstherapie in 80 Prozent der Fälle von Hypochondrie erfolgreich. Bei schwerwiegender Hypochondrie wird ein Klinikaufenthalt notwendig, der sich über mehrere Wochen oder Monate hinzieht.
Dabei lernen die Betroffenen, einen anderen Zugang zu ihren Körperwahrnehmungen zu erhalten, Erklärungsmodelle für ihre Ängste zu verstehen und so ihr Verhalten zu korrigieren.

Selbsthilfe zu Hypochondrie

Wichtig für Freunde, Partner und Familie
Ein Hypochondrie-Betroffener kann sich kaum selbst helfen, er braucht Hilfe von außen. Zudem sind Betroffene selten bereit, sich in Selbsthilfegruppen zu engagieren, weil sie von einer körperlichen Erkrankung überzeugt sind.
Partner, Freunde und Familienangehörige sind von der Erkrankung meist mitbetroffen und wissen häufig nicht, wie sie sich verhalten können. Grundsätzlich ist es wichtig, dem Betroffenen zu signalisieren, dass er ernst genommen wird.

Doch wenn Gesprächsinhalte sich ausschließlich um Beschwerden drehen, sollten Bekannte und Verwandte sanft, aber mit Nachdruck darauf hinweisen, dass die bisherigen Untersuchungen ohne Befund geblieben sind und deshalb einmal ein Gespräch beim Psychiater oder Psychologen vorschlagen.
Die Personen um den Kranken sollten sich nicht in krankhafte Ängste oder krankhaftes Verhalten einbeziehen lassen.
Das kann bedeuten, den Betroffenen nicht mehr zu einem erneuten Arztbesuch zu begleiten oder auch das gemeinsame Abtasten nicht mehr vorzunehmen. Für Angehörige ist es sehr schwierig, die richtige Dosis an Zuwendung und Abgrenzung zu finden.

Daten/Fakten zu Hypochondrie

Es dauert durchschnittlich sieben Jahre, bis ein Hypochondrie-Betroffener eine Psychotherapie beginnt, bis dahin hat sich die Störung bereits chronifiziert. Die Angaben zur Hypochondrie in Deutschland schwanken sehr stark.
In der allgemeinärztlichen Praxis sollen hypochondrische Störungen zwischen vier und neun Prozent vorkommen, wobei Männer und Frauen gleich häufig betroffen sind.
Es gibt aber auch Erhebungen, nach denen jeder 17. von Hypochondrie betroffen sein soll. Laut einer WHO-Studie sollen zehn bis fünfzehn Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens eine hypochondrische Phase durchmachen.

Links zu Hypochondrie

Krankhafte Angst vor Krankheit
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/krankheitenstoerungen/hypochondrie/hypochondrie_aid_25417.html

Hypochondrie Selbsthilfegruppe im Internet
http://www.sternschanze.net/location.php?hl=de&design=green&id=666

Zusammenfassung Hypochondrie
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/hypochondrie.html

Meine Symptome und ich - ein ZDF-Report über Hypochondrie
http://www.youtube.com/watch?v=bf3GRp8uatY
Autor: Huth, Dörthe03.08.2014

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