Hodenkrebs

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Wissen zu Hodenkrebs (Hodenkarzinom)

Bei Hodenkrebs handelt es sich um eine bösartige Neubildung im Bereich eines Hodens, wobei in vier bis fünf Prozent der Fälle im zweiten Hoden auch ein (Krebs) nachgewiesen werden kann. Man geht davon aus, daß sich die bösartige Umwandlung der Spermien-Vorform schon während ihrer Wanderung im Embryo in die spätere Genitalanlage vollzieht. Alternativ denkt man an ein bösartiges Wachstum der Spermienvorstufen beim Heranwachsenden nach der hormonellen Stimulation in der Pubertät.

Nach der feingeweblichen Struktur werden zwei Hauptformen des Hodenkrebs unterschieden:
  • Keimzelltumoren: Davon gibt es sehr zahlreiche Unterarten, die man entweder als "Nur-Seminome" (mit ausschließlich Anteilen eines sogenannten Seminoms) oder "Nicht-Nur-Seminome" bezeichnet
  • Maligne (bösartige) Keimstrang-Stroma-Tumoren: mit vielen Unterarten wie:
  • bösartiger Leydig-Zell-Tumor
  • bösartiger Sertoli-Zell-Tumor
  • bösartiger Granulosazelltumor

Zur Stadieneinteilung existieren 15 verschiedene Versionen, die sehr differenziert in Abhängigkeit von der Ausbreitung am Ort der Entstehung und dem Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen oder Fernmetastasen sowie der Höhe der Tumormarker das Stadium der Krebserkankung beschreiben.

Ursachen

Für die Entstehung von Hodenkrebs kommen verschiedene Faktoren in Frage:
  • hohe Wachstumsanregung noch im Mutterleib durch FSH (Follikel stimulierendes Hormon)
  • früher Pubertätsbeginn
  • durchgemachte Viruserkrankungen, insbesondere wenn sie mit einer Hodenentzündung einhergingen: Mumps, eventuell Epstein-Barr-Virus-Infektion.
Eine wesentliche begünstigende Erkrankung ist die Hodenatrophie (Schrumpfung, Zurückbildung aller Gewebe), verursacht in erster Linie durch Chemikalien, möglicherweise auch durch Virusinfektionen oder Verletzungen. Daten aus der Bevölkerungsentwicklung zeigen einen engen Zusammenhang zwischen der Zunahme von reduzierter oder fehlender männlicher Fruchtbarkeit mit der Zunahme von Hodenkrebs sowie ein besonders hohes Risiko der Landbevölkerung. Ursächlich kommen Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel (Pestizide und Herbizide) in Frage, wobei auch die Anreicherung dieser Substanzen in den Lebensmitteln eine Gefahr darstellt. So ist das Risiko, an einem Hodenkrebs zu erkranken, für Milchtrinker um den Faktor 2,5 erhöht, da sich in der Milch Pestizide anreichern können. Diese Substanzen sind fettliebend, das heißt, sie reichern sich in fetthaltigen Substanzen, in erster Linie unserem Körperfett, an.

Weitere Risikosubstanzen für das Entstehen von Hodenkrebs sind:
  • Schmieröle, Farben ( insbesondere auf Chrom basierend) Lösungsmittel, Abgase von Diesel- und Benzinmotoren
  • Petroleum, natürliches Gas (insbesondere in Kombination)
  • Schwermetalle, Chromate.
Das Risiko, an einem Hodentumor zu erkranken, ist um den Faktor vier bis acht gegenüber der Normalbevölkerung erhöht, wenn ein Zwillingsbruder oder der Vater einen Hodentumor hatte.

Diagnose zu Hodenkrebs (Hodenkarzinom)

Bei Verdacht auf einen Hodentumor oder zufällig diagnostizierten Hodenkrebs folgen auf eine eingehende körperliche Untersuchung Blutuntersuchungen, bei denen neben den Routinewerten, die Aussagen über allgemeine Organfunktionen geben (wie Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte), bestimmte sogenannte Tumormarker wie LDH, ß-HCG und alpha-Fetoprotein bestimmt werden. Zur Ausbreitungsdiagnostik wird zunächst eine Ultraschalluntersuchung beider Hoden und des Bauchraums durchgeführt und durch eine Computertomographie des Bauchraums ergänzt. Im Bereich der Brustorgane wird eine Röntgenaufnahme und eine Computertomo-graphie vorgenommen. Bei ungünstiger Prognose gehört auch eine Skelettszintigraphie zur Ausgangsuntersuchung. Weiterhin wird eine Kernspintomografie des Zentralen Nervensystems sowie bei bereits bekanntem Befall eines Wirbelkörpers eine Kernspintomographie der befallenen Region durchgeführt.

Symptome

Meist führt eine zufällig getastete schmerzlose Verdickung im Bereich des Hodens zur Diagnosestellung. Es kann auch ein Ziehen oder ein Schweregefühl im Hoden auftreten. Ein regelmäßiges Abtasten der Hoden ist jedem, insbesondere jüngeren Mann, zu empfehlen.

Behandlung zu Hodenkrebs (Hodenkarzinom)

Bei dringendem Verdacht auf einen bösartigen Hodentumor wird nach der vorbereitenden Diagnostik über einen Leistenschnitt der betroffene Hoden entfernt. In gleicher Sitzung wird aus dem gegenseitigen Hoden eine reiskorngroße Probe ungezielt aus dem oberen Pol entnommen, um einen Zweittumor feingeweblich aufspüren zu können. Diese Operation ist kein Notfalleingriff. Eine mehrtägige Vorbereitungsphase für diverse Untersuchungen muss eingeplant werden. Im Falle eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums mit beispielsweise ausgedehnten Lungenmetastasen und entprechenden Krankheitserscheinungen wird zunächst eine Chemotherapie durchgefürt. Die Operation erst nach deren Abschluss. Bei noch nicht sicher abgeschlossener Familienplanung beziehungsweise bestehendem Kinderwunsch sollte eine Spermaprobe konserviert werden, wobei die Frage der Kostenübernahme mit der Krankenkasse besprochen werden muß. Diese Empfehlung besteht insbesondere, wenn nur noch wenige funktionstüchtige Spermien produziert werden und somit schon vor der Chemotherapie eine nur eingeschränkte Fruchtbarkeit vorliegt. Die durch die Chemotherapie verursachte gestörte Fruchtbarkeit wird sich allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit erholen.
Bei der weiteren Therapie unterscheiden sich Seminome (bösartiger Tumor) von Nicht-Seminomen (gutartiger Tumor):
  • Seminome: Sie sind sehr strahlensensitiv (reagieren empfindlich auf Bestrahlung) und werden in den Anfangsstadien bestrahlt. Erst in den fortgeschrittenen Stadien rückt die Chemotherapie an die erste Stelle mit eventuell nachfolgender Operation des Resttumors.
  • Nichtseminome: Sie sind erheblich weniger strahlensensibel als die Seminome, aber insbesondere in frühen Stadien sehr chemotherapiesensibel. Im Anfangsstadium wird eine ausgedehnte Bauchoperation mit Entfernung aller möglicherweise befallenen Lymphknoten vorgenommen. Daran schließt sich entweder gleich oder erst bei Wiederauftreten des Krebses nach vorübergehender Freiheit von nachweisbarem Krebs) eine Chemotherapie an. Die übrigen Therapieabläufe müssen in Abhängigkeit von der Ausgangsprognose und der individuellen Situation entschieden werden.

Prognose

Hodentumore sind unter den Krebsarten des Erwachsenen diejenigen mit der besten Prognose. Die Heilungschance bei Seminomen ist sehr gut, die Prognose hängt aber entscheidend von den Ausgangsfaktoren wie Stadium und Tumormarkerhöhe ab und variiert zwischen 56% und 97%. Die Zahlen bei den Nichtseminomen sind ähnlich. In den frühen Krankheitsstadien beträgt die Heilungschance 98% bis hin zu immerhin noch 50% bei massiv fortgeschrittener Tumorerkrankung. Ein wichtiger Prognosefaktor ist auch die Erfahrung der behandelnden Klinik. Die Therapie sollte unbedingt in einer mit dieser Tumorart vertrauten Spezialabteilung durchgeführt werden.

Daten/Fakten zu Hodenkrebs (Hodenkarzinom)

Für den jungen Mann zwischen 20 und 35 Jahren ist der Hodenkrebs der häufigste bösartige Tumor. Vor Einführung der hochwirksamen (cisplatinhaltigen) Chemotherapie war er auch in dieser Altersgruppe die häufigste Todesursache. Heute liegen die Sterblichkeitsraten in Abhängigkeit vom Krankheitsstadium nur noch zwischen 1,5% und 40% bei insgesamt einer Heilungsrate von 90%, was der höchsten einer Krebsart im Erwachsenenalter entspricht. Der Hodenkrebs ist allerdings auch die Krebsart mit der am schnellsten steigenden Häufigkeit des Auftretens mit zur Zeit sieben bis acht Fällen pro 100.000 Einwohnern. Bei der schwarzen Bevölkerung Afrikas und der USA sowie in Asien tritt dieser Krebs nur äußerst selten auf. Besonders häufig kommt es in Nordeuropa und in der weißen US-amerikanischen Bevölkerung zum Hodenkrebs. Die Spitze der Häufigkeiten liegt in Dänemark mit bis zu zehn Erkrankungen auf 10.000 Einwohner pro Jahr und einer Verdoppelungsrate alle 20 Jahre.
Autor: Schmitt, Sabine26.07.2014

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