Hodenentzündung und Nebenhodenentzündung

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Wissen zu Hoden- und Nebenhodenentzündung (Orchitis und Epididymitis)

Die Orchitis ist eine Entzündung eines Hodens, wobei die verursachenden Erreger über die Blutbahn in den Hoden gelangen. Dabei handelt es sich meist um Viren. Die bedeutendste Erkrankung ist die Orchitis im Rahmen einer Mumpsinfektion. Etwa ein Drittel der meist nachpubertären Patienten entwickeln eine Miterkrankung der Hoden, die wiederum in 30 Prozent der Fälle zu einer Defektheilung des samenbildenden Gewebes führt. Dies bedeutet bei, gelegentlich vorkommenden, beidseitigem Befall Unfruchtbarkeit. Die Epididymitis ist eine Entzündung eines Nebenhodens, wobei hierbei nur selten eine Keimverschleppung über den Blutweg erfolgt. In der Regel errreichen die Keime den Nebenhoden über einen muskulären Schlauch. Der vom Nebenhoden ausgehend durch den Samenstrang letztlich, unter Vereinigung mit einem weiteren Gang aus den Samenblasen, in die Harnblase mündet. Bei den Keimen handelt es sich meist um Bakterien.

Ursachen

Häufig im Zusammenhang mit einer Virusinfektion kommt es über den Blutweg zu einer Keimverschleppung in die Hoden mit anschließender Entzündung. Die wesentliche Ursache ist eine Mumpserkrankung. Im Gegensatz dazu werden die Keime bei der Epididymitis über einen anatomisch vorgegebenen Vebindungsweg übertragen, wobei man zwei verschiedene Ursprungsorte der Erreger unterscheidet. Die Erreger der Epididymitis sind meist Bakterien.
Unterscheidung
  • Aufsteigende Infektion: Die Keime steigen über die Harnröhre durch den Samenleiter bis in den Nebenhoden auf. Dieser Infektionstyp tritt gehäuft bei homosexuellen Männern auf.
  • Absteigende Infektion: Die Keime steigen aus der Harnblase in den Harnleiter hinab und gelangen von dort durch den Samenleiter in den Nebenhoden. Dieser Infektionstyp tritt gehäuft bei älteren Männern mit Harnabflussstörungen auf, wie sie zum Beispiel bei Prostatahypertrophie vorkommt. Auch ein liegender Blasenkatheter kann diese Infektion begünstigen; weiterhin ständiger Urinrückfluss durch Harnröhrenklappen. Weiterhin können kleine Jungen mit einem bestehenden Abflusshindernis unterhalb der Blase eine Epididymitis entwickeln. Eine vorangegangene Operation im Beckenbereich stellt ebenfalls einen Risikofaktor dar.

Auch die Erreger unterscheiden sich bei den verschiedenen Typen:
  • Die aufsteigende Form (vorwiegend bei jüngeren/ homosexuellen Männern) wird am ehesten von Chlamydien und Neisserien verursacht.
  • Die absteigende Form (vorwiegend bei älteren Männern mit Harnabflussstörung) wird eher von den üblichen, eine Harnwegsinfektion auslösenden Keimen wie Enterobakterien, Enterokokken und Pseudomonaden hervorgerufen.

Diagnose zu Hoden- und Nebenhodenentzündung (Orchitis und Epididymitis)

Hodenentzündung
Der Hodensack zeigt alle Zeichen einer Entzündung mit Schwellung, Rötung, Überwärmung und erheblicher Schmerzhaftigkeit. Die Schmerzen sind insbesondere stark bei Berührung. Ein Anheben des Hodensacks führt zu keiner Besserung. Beim Abtasten des Hodens ist dieser anfangs vergrößert und druckschmerzhaft einzeln fühlbar. Im Verlauf der Erkrankung jedoch nicht mehr, da dann der Nebenhoden in den Entzündungsprozess mit einbezogen ist. Bei einer Ultraschalluntersuchung können sich Reflexunregelmäßigkeiten zeigen, die wie ein Hodentumor aussehen. Sofern die Erkrankung im Rahmen einer Virusinfektion des Patienten, insbesondere Mumps, auftritt, ist die Diagnose im Zusammenhang mit den übrigen Krankheitserscheinungen des Patienten leicht zu stellen. Eine Urinuntersuchung zeigt in der Regel keinen auffälligen Befund.

Nebenhodenentzündung
Der klinische Aspekt der Nebenhodenentzündung ähnelt der einer Hodenentzündung. Auch hier ist der Hodensack gerötet und geschwollen, wobei durch die zunehmende Spannung der Haut die Fältelung des Hodensacks verschwindet. Der Nebenhoden ist schmerzhaft geschwollen und bei Betastung nur im Anfangsstadium vom Hoden abzugrenzen. Nach ein bis eineinhalb Tagen kommt es zu einer entzündlichen Mitbeteiligung des Hodens. Ein Anheben des Hodensacks kann im typischen Fall zu einer Beschwerdelinderung führen. Schüttelfrost und Fieber können vorkommen. Häufig bestehen Beschwerden beim Wasserlassen und der Urinbefund weist auf einen bakteriellen Harnwegsinfekt hin. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt eine Vergrößerung des Nebenhodens, was auf einen erhöhten Flüssigkeitsgehalt hinweist. Eine eventuell entstandene, die Entzündung begleitende Hydrozele (Flüssigkeitsansammlung im Hodensack) läßt sich mit Ultraschall gut darstellen, ebenso eine möglicherweise bereits eingetretene Abszessbildung (Eiteransammlung im entzündeten Gewebe).
Die wichtigste Differentialdiagnose (Diagnose, die ähnliche Krankheitserscheinungen zutage fördert und unterschieden werden muss) ist die Hodentorsion, die unbedingt rasch ausgeschlossen werden muss, da jene bei verspätetem Eingreifen zum Verlust des Hodens führen kann. Dazu wird eine dopplersonographische Untersuchung vorgenommen. Im Zweifelsfall wird der Hodensack operativ geöffnet, was neben der sicheren Diagnose dann auch die Behandlung der Hodentorsion ermöglicht.

Symptome

  • Hodenentzündung: Den Beschwerden am Hoden geht in der Regel eine Virusinfektion des gesamten Körpers voraus. Diese ist im typischen Fall eine Mumpserkrankung. Etwa drei bis vier Tage nach Beginn der Ohrspeicheldrüsenentzündung (wesentliches Symptom der Mumps) kommt es zur Hodenentzündung, die sich als schmerzhafte gerötete überwärmte Schwellung des Hodensacks zeigt. Bei der Mumpsinfektion sind in 30 Prozent der Fälle beide Hoden betroffen. Dabei besteht meist Fieber. Beschwerden beim Wasserlassen liegen typischerweise nicht vor.
  • Nebenhodenentzündung: Die Entzündungserscheinungen entwickeln sich über Stunden oder Tage zunächst langsam, dann aber rasch zunehmend. Dabei kann Fieber bestehen, meist hat der Patient Beschwerden beim Wasserlassen in Form von häufigem Harndrang und schmerzhafter Entleerung von kleinen Mengen Urin. Der Nebenhoden ist schmerzhaft geschwollen und meist besteht im fortgeschrittenen Fall eine Rötung und Schwellung des Hodensacks.

Behandlung zu Hoden- und Nebenhodenentzündung (Orchitis und Epididymitis)

Hodenentzündung:
Bei einer viral bedingten Orchitis sollten neben Bettruhe mögliche Entzündungen behandelt werden. Dazu gehören Hochlagerung und Kühlung des Hodens sowie die Gabe von entzündungslindernden Medikamenten.
Nebenhodenentzündung:
Eine bakteriell bedingte Epididymitis wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Begleitend ist auch hier Bettruhe einzuhalten mit Hochlagerung und Kühlung des Hodensacks; eventuell werden auch entzündungslindernde Medikamente gegeben. Bei ausgeprägter Entzündung von Hoden und Nebenhoden oder einer Eiteransammlung ist häufig eine operative Entfernung beider Organe notwendig.

Prognose
Die unbehandelte Mumpsorchitis führt in 30 Prozent der Fälle zu einer Zerstörung des samenbildenden Gewebes, was bei Befall beider Hoden Unfruchtbarkeit zur Folge hat. Eine schwere beidseitige Entzündung kann durch den Mangel an sexualhormonbildendem Gewebe zu Hormonstörungen führen. Eine unzureichend behandelte Epididymitis kann in eine chronische Form übergehen. Nach Abklingen der Entzündung muß eine Untersuchung der Urinabflussverhältnisse erfolgen, um Abflussstörungen zu erkennen und gegebenenfalls zu beseitigen (vor allem bei Kindern). Durch eine entzündliche Verklebung des Samenleiters befinden sich keine Spermien im Ejakulat. In dieser Situation wäre eine Zeugung nur noch mit medizinischer Hilfe (ICSI) möglich.

Selbsthilfe zu Hoden- und Nebenhodenentzündung (Orchitis und Epididymitis)

Die Selbsthilfe kann wesentlich in einer Vorbeugung - insbesondere der Orchitis - bestehen, die am häufigsten vorkommt. Dies bedeutet, eine Mumpserkrankung durch Impfung im Babyalter zu verhindern.
Autor: Schmitt, Sabine26.07.2014

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