Hirnstamminfarkt

WissenDiagnoseBehandlungSelbsthilfe

Wissen zu Hirnstamminfarkt

Beim Hirnstamminfarkt handelt es sich um eine spezielle Form des Schlaganfalls, bei der es zu einer akuten Minderdurchblutung in einer bestimmten Hirnregion kommt. Die beidseits im Bereich der Halswirbelsäule aufsteigenden Vertebralarterien (Schlagadern im Bereich der Wirbel) bilden die Basilararterie. Diese versorgt maßgeblich die beiden großen hinteren Hirnarterien mit Blut. Es können sich nun durch Verschleißerscheinungen sogenannte Knochenzacken bilden. Durch diese oder durch bestimmte Bewegungen des Halses kann es zu einem Abdrücken der Vertebralarterien kommen. Dies führt zu einer plötzlich auftretenden Unterversorgung wichtiger Hirngebiete mit Blut. Eine Bewusstseinsstörung tritt jedoch nur bei einer Verklumpung des Blutes in dieser Schlagader auf. Häufig kommt es zu Schwindel und Erbrechen sowie Sehstörungen.

Ursachen

  • Arteriosklerose und arterielle Thrombose: Die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) entsteht bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren. Der Wichtigste ist der hohe Blutdruck mit einer vierfachen Risikoerhöhung! Weitere Risikofaktoren sind die Koronare Herzkrankheit mit einem Schlaganfallrisiko von 1,5 % pro Jahr nach Herzinfarkt. Das Vorliegen einer Zuckerkrankheit, insbesondere in Kombination mit einem hohen Blutdruck ist ebenfalls eine ungünstige Vorbedingung, darüberhinaus das Rauchen und starker Alkoholkonsum.
  • Arterielle Embolien: Dabei kommt es zum Transport von kleinen Blutgerinnseln aus dem Herzen in die Hirngefäße, wo sie je nach ihrer Größe bestimmte Gefäße verschließen. Dadurch lösen sie in diesem Hirngebiet eine plötzliche Blutleere aus, die bei vollständiger Blutflussunterbrechung binnen weniger Minuten zum Absterben des betroffenen Hirngebietes führt. Im Herzen werden diese Gerinnsel insbesondere bei Vorhofflimmern gebildet, wobei das Risiko für eine Hirnembolie bei anhaltendem (chronischem) Vorhofflimmern ohne Behandlung bei sechs Prozent pro Jahr liegt. Eine weitere Emboliequelle kann die Halsschlagader oder der Aortenbogen sein, sofern sie bereits von Gefäßverkalkung betroffen ist.
  • In seltenen Fällen kann auch eine Aufspaltung der Gefäßwand in Fließrichtung des Blutes bei außerhalb des Gehirns gelegenen Hirnarterien die Ursache für den Hirninfarkt sein. Bei vorwiegend jüngeren Betroffenen kommen auch entzündliche Erkrankungen der Gefäße als Ursache in Frage.

Diagnose zu Hirnstamminfarkt

Die Diagnose eines Hirnstamminfarktes wird in der Regel mittels Bildgebung durch eine Computertomographie (Röntgenschnittbilder) gestellt. Das Entscheidende bei jedem Hirninfarkt, unabhängig von der betroffenen Hirnregion, ist das schnelle Erkennen des ernsten Zustandes. Bei geringstem Verdacht auf einen Hirninfarkt, sollte unverzüglich ein Rettungswagen (nicht Privat-PKW) gerufen werden. Dort sollte auf kurzem Weg, in der Regel vor Ort, ein CT-Gerät und im Idealfall eine Stroke-Unit verfügbar sein. Diese "Schlaganfall-Einheit" begünstigt eine optimale Frühbehandlung von Schlaganfallpatienten.

Symptome

Bei einer Mangeldurchblutung im Hirnstamm kommt es zu zahlreichen unterschiedlichen Krankheitsbildern, die sich aus dem Ort der Gafäßschädigung ableiten.
Für den "klassischen" Hirnstamminfarkt sind folgende Symptome typisch:
  • tritt schlagartig auf
  • wird eventuell ausgelöst durch Kopfbewegungen
  • ohne Bewusstseinsstörung (mit Ausnahme der seltenen Basilaristhrombose)
  • oft begleitet von intensivem Drehschwindel und Erbrechen
  • oft mit Schlucklähmungen und Heiserkeit.

Ebenso können folgende Sehstörungen auftreten:
  • Oszillopsie (während einer Körperbewegung, zum Beispiel beim Gehen oder Autofahren das Sehen verwackelter Bilder, die beim Augenschluss verschwinden)
  • im Rahmen eines Nystagmus (langsame Augenbewegung nach links oder rechts und schnelle Rückholbewegung in die entgegengesetzte Richtung)
  • Doppelbilder
  • Gesichtsfeldausfälle, bei der die sogenannte Sehrinde im Gehirn geschädigt, das Auge und der Sehnerv aber intakt sind und das richtige Erkennen bei noch bestehender Lichtwahrnehmung wieder trainiert werden kann.
  • eventuell Ataxie (unkontrollierte, unkoordinierte Bewegungen)
  • auf der Gegenseite des Schlaganfalls auftretende Hirnnervenschädigungen und Lähmungen des Armes und Beines.

Behandlung zu Hirnstamminfarkt

Die Behandlung des Hirnstamminfarkts ist wie die jedes Schlaganfalls eine intensivmedizinische. Nachdem mittels Computertomographie (CT) des Gehirns eine Minderdurchblutung nachgewiesen wurde, sollte unmittelbar die Möglichkeit einer Blutgerinnselauflösungsbehandlung (Lyse) geklärt werden. Für eine solche riskante, aber hocheffektive Behandlung steht nur das schmale Zeitfenster von bis zu drei Stunden nach dem Infarktereignis zur Verfügung.
Wenn mittels CT eine Blutung ausgeschlossen ist und keine weiteren Gegenanzeigen (wie frische ausgedehnte Operationen) vorliegen, wird sich wahrscheinlich für eine solche Lyse entschieden. Im Anschluss daran erfolgt eine Gerinnungshemmung mit Heparin und die Gabe von Hemmern der Blutplättchenverklumpung (meist Acetylsalicylsäure "ASS").

Neben diesen spezifischen Behandlungen erfolgen eine Fülle von intensivmedizinischen Allgemeinmassnahmen:
  • Kontrolle der Atmung (Sauerstoffgabe per Nasensonde, gegebenenfalls künstliche Beatmung) und Kreislauffunktionen
  • Kontrolle des Blutzuckers (eine Erhöhung wird allmählich abgesenkt)
  • Kontrolle des Blutdrucks (in der Akutphase wird nur ein stark erhöhter Blutdruck vorsichtig abgesenkt)
  • Kontrolle der Ausscheidung (Blasenkatheter) beziehungsweise Bilanzierung der Ein- und Ausfuhr
  • Kontrolle der Leber- und Nierenfunktion, der Blutsalze und einiger weiterer Laborwerte
  • Senkung erhöhter Körpertemperatur
  • Legen einer Magensonde (später gegebenfalls einer Perkutanan Endoskopischen Gastrostomie = PEG-Sonde) bei Schluckstörungen oder Bewusstseinsstörungen zur künstlichen Ernährung
  • Vorbeugung des Wundliegens und von Gelenkversteifungen mittels Lagerungshilfsmitteln, häufigem Umlagern und Krankengymnastik
  • Atemgymnastik, frühzeitige Krankengymnastik, eventuell logopädische Therapie.

Prognose

Der Hirnstamminfarkt ist wie jeder Schlaganfall eine ernste Erkrankung mit vielen möglichen Komplikationen wie insbesondere das Auftreten von Fieber, erhöhtem Hirndruck, erneutem Schlaganfall, Einblutung in das zunächst minderdurchblutete Hirnareal sowie Lungenentzündung. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass das Risiko, an einem Schlaganfall zu versterben, mit steigendem Alter sowie dem Ausmaß der ausgefallenen Hirnfunktionen bei Aufnahme wächst, ebenso bei Fieber innerhalb der ersten 72 Stunden in der Klinik.

Darüberhinaus gibt es einige Faktoren, die eine fortbestehende Funktionseinschränkung bedingen:
  • Weibliches Geschlecht
  • Bereits vorangegangener Schlaganfall
  • Stammganglieninfarkt
  • Armlähmung
  • Zuckerkrankheit
  • Erhebliche körperliche Behinderung
  • Komplikationen wie erneuter Schlaganfall, Einblutung in das Infarktgebiet oder Krampfanfall innerhalb von 72 Stunden nach Krankenhausaufnahme.
Personen mit ausschliesslichem Hirnstamminfarkt hatten in der genannten Studie mit zehn Prozent Sterblichkeit drei Monate nach dem Ereignis eine weit bessere Prognose als die Personen mit zusätzlichen Infarkten in anderen Hirngebieten (43,5 % Sterblichkeit).
Gut die Hälfte der Hirnstamminfarktpatienten waren nach drei Monaten ohne Funktionsbeeinträchtigung. Wichtigster Faktor war neben den betroffenen Hirnregionen die Bewusstseinslage bei dem Infarktereignis: Von den anfangs im Koma gelegenen Patienten starben 82 %, jedoch nur 6 % von den Erkrankten ohne Bewusstseinsstörung.

Selbsthilfe zu Hirnstamminfarkt

Die Selbsthilfe bei bereits eingetretenem Hirn(stamm)infarkt kann nur in einem möglichst umgehenden Transport mittels Rettungswagen in ein geeignetes Krankenhaus bestehen. Weit zurückgreifend kann man darauf hinweisen, dass fast jeder an seinen Risikofaktoren arbeiten kann, dies meint, einen eventuell bestehenden hohen Blutdruck oder eine Zuckerkrankheit ärztlich betreuen und richtig einstellen zu lassen, verordnete Blutplättchenverklumpungshemmer richtig einzunehmen und eine möglicherweise bestehende Gerinnungshemmertherapie überwachen zu lassen. Darüberhinaus sollte das Rauchen sowie übermäßiger Alkoholkonsum unterlassen werden.
Wenn bereits eine Gefäßerkrankung besteht, muss unbedingt auf kleine Schlaganfallvorzeichen (TIA= Transitorisch Ischämische Attacken, vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn) geachtet werden wie:

  • plötzliche Sehstörungen
  • Schwindel
  • Schwäche in einem Arm oder Bein (unerklärliches Fallenlassen eines Gegenstandes, Stolpern über unwesentliches oder nicht vorhandenes Hindernis).
Diese Ereignisse müssen zu einem Krankenhausaufenthalt und einer Ursachenabklärung sowie Therapieeinleitung führen, auch wenn die Beeinträchtigung dann schon nicht mehr nachweisbar ist. In über zehn Prozent der Fälle von TIA folgt innerhalb von drei Monaten ein "richtiger" Schlaganfall - diese Vorboten müssen unbedingt ernst genommen werden.
Autor: Schmitt, Sabine10.08.2015

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: