Flussblindheit (Onchozerkose)

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Wissen zu Flussblindheit (Onchozerkose)

Flussblindheit (Onchozerkose oder Onchozerkiasis) gehört zu den Filariosen und ist eine Tropenkrankheit, die durch eine spezielle Fadenwurmart Onchocerca volvulus verursacht wird. Diese Fadenwürmer sind vor allem in den tropischen Regionen Afrikas, Mittel- und Südamerikas und im Jemen verbreitet.
Übertragen werden die Parasiten durch den Stich der Kriebelmücke, die vor allem in der Nähe fließender Gewässer lebt, daher der Name Flussblindheit. Unbehandelt führt der Befall durch die Fadenwürmer zur Erblindung.
Die Larve des Fadenwurms nistet sich nach dem Stich der Kriebelmücke im Unterhautgewebe ein und entwickelt sich dort innerhalb eines Jahres zum ausgewachsenen Wurm, der bis zu 70 cm lang werden kann und aufgerollt unter der Haut in Form eines Knotens sichtbar wird.
Wurmweibchen können bis zu 1000 Nachkommen pro Tag produzieren, die als Mikrofilarien durch den Körper wandern und unterschiedliche Organe befallen. Nisten sie sich in den Augen ein, erblinden die Betroffenen.
Bei Stichen können die Kriebelmücken wiederum den Parasiten aus dem menschlichen Körper aufnehmen und weiter übertragen. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich und die in Europa heimischen Arten der Kriebelmücke übertragen die Flussblindheit nicht.

Diagnose zu Flussblindheit (Onchozerkose)

Bei der Anamnese sollte auch an länger zurückliegende Tropenkrankheiten gedacht werden, da sich die ersten Symptome erst Monate bis Jahre nach der Infektion zeigen. In einer körperlichen Untersuchung überprüft der Arzt die Haut nach typischen Veränderungen oder Knoten.

Besteht der Verdacht auf Flussblindheit, werden weitere Untersuchungen durchgeführt:
  • Mit einer Biopsie werden kleine Gewebeproben aus den veränderten Hautarealen entnommen und unter dem Mikroskop auf Mikrofilarien untersucht.
  • Eine Augenuntersuchung mit einer speziellen Lampe weist nach, ob bereits Mikrofilarien ins Auge gewandert sind und ob die Augen geschädigt sind.
  • Mit einer Blutprobe kann untersucht werden, ob für Wurmerkrankungen typische Abwehrzellen im Blut vorhanden sind und ob Antikörper gebildet wurden. Der Nachweis von Filarien im Blut ist aufwendig und wird normalerweise nicht durchgeführt.
  • Ein Provokationstest kann ebenfalls Aufschluss geben. Dabei wird der Wirkstoff Diethylcarbamazin eingenommen. Im Falle einer Erkrankung rötet sich die Haut und juckt.

Symptome

Bis sich die ersten Symptome nach der Infizierung zeigen, vergehen im Durchschnitt sechs bis zwölf Monate.

Typische Symptome sind:
  • Juckreiz und Hautausschlag
  • Lymphknotenschwellung
  • Hautknoten (bis zu mehreren Zentimetern groß und oft in der Nähe eines Gelenkes, am Kopf oder Rumpf)
  • Pigmentveränderungen an der Haut („Leopardenhaut“)
  • Verdickte, faltige, verhornte und trockene Haut
  • Entzündungen der Haut (Abszesse)
  • Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitis)
  • Bindehautentzündung
  • Entzündung der Aderhaut (Uveitis)
  • Erhöhung des Augeninnendrucks
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Hornhauttrübung
  • Trübung der Augenlinse
  • Lichtscheue
  • Netzhautentzündung
  • Sehnervenentzündung
  • Erblindung

Behandlung zu Flussblindheit (Onchozerkose)

Die Behandlung zielt auf Schädigung der Würmer und Abtötung der Wurmlarven durch Medikamente.
Zum Einsatz können folgende Medikamente kommen:
  • Ivermectin lähmt die Würmer und tötet die Larven ab.
  • Das Antibiotikum Doxycyclin verhindert die weitere Fortpflanzung der Würmer im Körper, es muss über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
  • Diethylcarbamazin lähmt die Larven und schränkt ihre Wanderung durch das Gewebe ein. Ausgewachsene Würmer können damit allerdings nicht bekämpft werden. Das Mittel kann zu starken allergischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock führen.
Die Knoten werden in der Regel nicht durch eine Operation entfernt, da dies die Krankheit nicht ausreichend eindämmt. Eine Ausnahme bilden Knoten am Kopf oder in der Nähe des Kopfes. Diese werden operativ entfernt, da sonst die Gefahr besteht, dass Larven vom Knoten in die Augen einwandern und zur Erblindung führen.

Prognose

Unbehandelt senkt die Erkrankung an Flussblindheit die Lebenserwartung um mehrere Jahre, da sie das Abwehrsystem des Körpers schwächt und die Anfälligkeit für andere Krankheiten erhöht. Ohne Therapie liegt das Risiko einer Erblindung bei zehn Prozent. Bei einer medikamentösen Therapie der Flussblindheit kann es immer zu Rückfällen kommen, da meist nicht alle Würmer abgetötet werden können.

Selbsthilfe zu Flussblindheit (Onchozerkose)

Zur Vorbeugung sollte bei Tropenaufenthalten in Afrika, Mittel- und Südamerika und im Jemen ein konsequenter Mückenschutz durchgeführt werden, vor allem in der Nähe von Gewässern. Der Körper sollte auch an Armen und Beinen durch Kleidung bedeckt sein.
Schützen Sie sich beim Schlafen zusätzlich mit Moskitonetzen und tragen Sie Mückenabwehrmittel (Repellents) auf die Haut auf. Ebenso ist es ratsam, die Brutstätten der Kriebelmücken zu meiden. In besonderen Fällen, zum Beispiel berufsbedingtem Aufenthalt in den betroffenen Regionen, ist die prophylaktische Einnahme von Ivermectin möglich.

Daten/Fakten zu Flussblindheit (Onchozerkose)

Flussblindheit gilt als zweithäufigste Ursache für infektionsbedingte Erblindung weltweit. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden 37 Millionen Menschen an Onchozerkose. Etwa 150 Millionen Menschen sind in den Tropen Afrikas, Mittel- und Südamerikas gefährdet.
Um das Risiko einzudämmen, werden im Rahmen internationaler Projekte in Afrika Kriebelmücken durch Einsatz von Insektiziden bekämpft. Außerdem erhalten in Afrika 57 Millionen Menschen in besonders betroffenen Gebieten regelmäßig Medikamente zur Prophylaxe. In Europa kommen vereinzelt Fälle von Flussblindheit vor, die Betroffenen haben sich bei Aufenthalten in den Tropen infiziert oder sind Immigranten.

Links zu Flussblindheit (Onchozerkose)

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Strasse 74
20359 Hamburg
bni@bni-hamburg.de
http://www.bni-hamburg.de

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) e. V. gibt auf ihrer Internetseite eine Übersicht über tropenmedizinische Institutionen in Deutschland mit Kontaktdaten:
http://www.dtg.org/institut.html
Autor: Volkner, Angela06.06.2016

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