Fibromyalgie

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Wissen zu Fibromylagie

Faser-Muskel-Schmerz ist der umgangssprachliche Ausdruck für Fibromyalgie, von der etwa zwei bis drei Prozent der meist 30- bis 60- Jährigen betroffen sind. Dabei leiden zu etwa 80 Prozent Frauen an dieser nicht-entzündlichen Sonderform des Weichteilrheumatismus, bei dem die Muskulatur und Sehnenansätze schmerzen. Zudem verspüren die Betroffenen eine erhöhte Sensibilität für Druck an den so genannten "Tender Points". Das sind Schmerzdruckpunkte im Körper, die an den Übergängen zwischen Muskel und Sehne sitzen.
In seltenen Fällen können Kinder und ältere Menschen an einer Fibromyalgie erkranken. Die Krankheit dauert meist Jahrzehnte an und kann in seinen Symptomen und daraus resultierenden Einschränkungen für den Alltag des Erkrankten individuell unterschiedlich ausfallen.

Ursachen

Fibromyalgie birgt noch viel Unbekanntes für die heutige Medizin. Derzeit wird diskutiert, ob hier im zentralen Nervensystem die Schmerz verarbeitenden Systeme einer Störung unterliegen und daraus eine niedrigere Schmerzgrenze resultiert. Der Patient hat Schmerzen, weil er „empfindlicher“ für Schmerzen ist. Hormonell und neurophysiologisch könnte ein Serotonin-Mangel verantwortlich sein. Neben diesem für die Schmerzverarbeitung und Schlafregulierung verantwortlichen Neurotransmitter werden in der Forschung auch das Wachstumshormon oder die Substanz P als relevant für die Verursachung der Krankheit gesehen.
Letztere ist der Botenstoff, der dem Gehirn Schmerzen signalisiert und bei Fibromyalgie-Patienten verstärkt festgestellt wurde. Außerdem ist bei den Betroffenen eine überdurchschnittliche Häufung von psychischen Störungen wie Depressionen oder Ängstlichkeit festzustellen.
Genetische Veranlagungen werden ebenfalls vermutet, weil eine Fibromyalgie gehäuft in Familien auftritt. Allgemein wird eine primäre und sekundäre Fibromyalgie unterschieden. Während bei der Primären keine eindeutige Ursache zugeordnet werden kann, wird bei der sekundären Form von einer Vorerkrankung ausgegangen.

Zu diesen Vorerkrankungen zählen beispielsweise:
  • entzündlich-rheumatische Systemerkrankungen
  • Infektions- oder Autoimmunerkrankungen
  • virale Infekte wie Borreliose.
Aber auch zu starke einseitige Belastungen, Tumore, Operationen, Unfälle oder Traumata können im Vorfeld einer Fibromyalgie aufgetreten sein.

Eine Verschlimmerung kann wiederum ausgelöst werden durch:
  • Stress
  • Angstzustände
  • Müdigkeit
  • Schonhaltungen aufgrund der Schmerzen
  • Kälte
  • feuchtes, wechselhaftes Wetter und
  • anhaltende Belastungen zum Beispiel durch schwere Arbeit

Diagnose zu Fibromylagie

Bis zur Diagnose einer Fibromyalgie vergehen oft Jahre. Weil Fibromyalgie keine organischen Veränderungen mit sich bringt, können weder Laborwertuntersuchungen noch Röntgenaufnahmen zur Diagnose beitragen. Eine Diagnose ist häufig nur anhand der Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung möglich. Zudem wird untersucht, wie viel der insgesamt 18 Druckpunkte ("Tender Points") schmerzhaft sind. Vom Vorliegen einer Fibromyalgie kann bei mindestens elf schmerzhaften Tender Points und drei von Schmerzen geprägten Körperregionen ausgegangen werden.

Symptome

  • Spontanschmerzen in Muskeln oder Sehnenverläufen, die länger als drei Monate andauern
  • Begleiterscheinungen wie beispielsweise Schlafstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, kalte Hände und Füße, trockener Mund, Kreislaufbeschwerden.

Behandlung zu Fibromylagie

Die Behandlung einer Fibromyalgie zielt vor allem auf Schmerzlinderung ab. Hauptziel ist die Vermeidung einer Chronifizierung.

Daher kommt hier eine stufenartige Therapie zum Einsatz, die unterschieden wird nach:
  • Basistherapie
  • weiterführender Behandlung und
  • Langzeitbetreuung
Zur Basistherapie gehören neben Patientenschulungsprogrammen und ein auf die Person abgestimmtes Herz-Kreislauf-Training auch eine verhaltenstherapeutische Schmerztherapie sowie die Behandlung körperlicher und seelischer Störungen.
Begleitend ist die Einnahme von Antidepressiva geeignet, um die Stimmung aufzuhellen und den Betroffenen zu entspannen. Die weiterführende Therapie schließt nach etwa sechs Monaten Basistherapie an, wenn der Betroffene weiterhin Schmerzen hat.
Sie ist multimodal und setzt sich aus den Bausteinen Bewegungs- und Psychotherapie zusammen. Erst wenn diese Therapie nach weiteren sechs Monaten keine Verbesserung gebracht hat, wird mit der Langzeitbetreuung begonnen. Diese fordert die Mitarbeit des Erkrankten, ist ärztlich individuell abzustimmen und kann sich wie folgt zusammensetzen:
  • Selbstmanagement wie weiteres regelmäßiges Herz-Kreislauf-Training, Funktions- und Stressbewältigungstraining
  • Ambulante Fortführung und Wiederholung multimodaler Therapien
  • zeitlich befristet: Einnahme von Antidepressiva, Hypnotherapie oder therapeutisches Schreiben, physikalische (zum Beispiel Ganzkörper-Wämetherapie) oder komplementäre (zum Beispiel Homöopathie oder vegetarische Ernährung) Therapieverfahren.

Prognose

Durch Fibromyalgie erfolgen keinerlei organische Schädigungen. Auch ist die Lebenserwartung durch diese Krankheit nicht gemindert. Der Betroffene wird jedoch mehr oder minder mit den Schmerzen leben müssen, wenn sich eine Chronifizierung nicht vermeiden ließ. In seltenen Fällen treten spontane Besserungen im Alter auf.

Selbsthilfe zu Fibromylagie

Starke Schmerzen als Folge einer Erkrankung, Operation oder eines Unfalls können nach Meinung von Experten Ausgangspunkt für die Entstehung einer Fibromyalgie sein. Werden diese Schmerzen nicht angemessen behandelt, können diese Schmerzen chronisch werden. Im Gehirn entsteht dann ein „Schmerzgedächtnis", obwohl der eigentliche Auslöser längst nicht mehr besteht. Mit einem modernen Schmerzmanagement lässt sich eine Chronifizierung des Schmerzes meist vermeiden.
So soll verhindert werden, dass Schmerz überhaupt entsteht. Viele Fibromyalgie-Erkrankten sind sehr leistungsbezogene Persönlichkeiten mit einem hohen Anspruch an sich selbst. Innere Spannungen können so zu den äußeren Muskelspannungen und -schmerzen führen.
Eine Fibromyalgie lässt sich deshalb möglicherweise vermeiden, indem man seelischen Stress abbaut und die Erwartungen an sich selbst verringert. Denn wer weniger perfektionistisch an seine Aufgaben herangeht und sich nicht immer für alles verantwortlich fühlt, baut weniger psychischen Druck auf und ist weniger gefährdet, die Schmerzsymptome zu entwickeln.

Daten/Fakten zu Fibromylagie

Die Fibromyalgie ist eine häufige Erkrankung: Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind an daran erkrankt – das entspricht circa zwei Prozent der Bevölkerung. Im Schnitt erkranken Frauen neun Mal häufiger als Männer. In manchen Familien kommt sie gehäuft vor.

Links zu Fibromylagie

Deutsche Schmerzliga e. V.
Adenauerallee 18
61440 Oberursel
Tel: 0700 - 375 375 375
http://www.schmerzliga.de

Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) e. V.
Postfach 1140
74741 Seckach
Tel: 06292 - 928 760
Fax: 06292 - 928 761
E-Mail: fibromyalgie-fms@t-online.de

Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e. V.
Sietwende 20
21720 Grünendeich
Tel: 04142 - 810 434
Fax: 04142 - 810 435
E-Mail: schmerzhilfe@t-online.de
http://www.schmerzhilfe.org

Deutsche Rheuma-Liga
Bundesverband e.V.
Maximilianstraße 14
53111 Bonn
Tel: 0228 - 766 06 21
Fax: 0228 - 766 06 20
http://www.rheuma-liga.de

Foren und Selbsthilfegruppen:
members.aon.at/fibromyalgie/forum.htm
http://www.selbsthilfe-fibromyalgie.net/html/gruppen_.html
http://www.fibromyalgie-fms.de
Autor: Fischer, Jana01.06.2016

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