Feigwarzen

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Wissen zu Feigwarzen (Condylomata acuminata)

Feigwarzen sind zumeist gutartige Gewebswucherungen, deren Ausdehnung zwischen stecknagelkopfgroß und mehreren Zentimetern betragen kann. Ihre Farbe schwankt zwischen rötlich, graubräunlich und weißlich. In manchen Fällen bilden sie eine rosenkohlartige Form aus. Schamlippen, Scheideneingang, Gebärmutterhals und die Harnröhrenmündung sind bevorzugte Stellen, an denen sich Feigwarzen bei Frauen bilden.
Bei Männern sind es der Enddarm, der After, die Eichel und Vorhaut sowie der Harnröhreneingang. Etwa ein Prozent aller sexuell aktiven Europäer und US-Amerikaner zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr haben Feigwarzen.
Damit zählen sie wie auch Chlamydien und Genitalherpes zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Besonders häufig findet sich diese Erkrankung bei den 20 bis 25-Jährigen.

Ursachen

HPV ist die Abkürzung für humane Papillomaviren, die vornehmlich Feigwarzen verursachen. Eine Ansteckung mit diesen Viren, welche durch Hautkontakt beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, muss jedoch nicht in jedem Fall zum Ausbruch der Feigwarzen führen. Das ist bei etwa zehn Prozent der Fall. Von den mehr als 90 bekannten Untertypen der humanen Papillomaviren sind etwa 50 Auslöser für Feigwarzen; im Besonderen die Typen HPV-6 und HPV-11. In seltenen Fällen kann eine HPV-Infektion (mit den Typen HPV-16 und HPV-18) jedoch zu Krebs an den Geschlechtsorganen oder am After führen.
Das Entstehen von Feigwarzen wird nach einer Infektion durch Feuchtigkeit, kleine Hautverletzungen, ein schwaches Immunsystem oder bestehende Entzündungen im Genitalbereich ermöglicht. Rauchen, der Konsum von Drogen (Cannabis, Kokain) oder die Einnahme von Medikamenten zur Schwächung des Immunsystems, (beispielsweise zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen oder gegen Abstoßungsreaktionen nach einer Organtransplantation) vermindern die Abwehrkraft des Immunsystems gegen Viren und begünstigen so zusätzlich die deren Bildung.
Eine Wucherung von mehreren Feigwarzen zu einem größeren Gebilde lässt auf eine Immunschwäche oder Diabetes mellitus schließen. 
Eine andere jedoch seltene Infektionsmöglichkeit ist das indirekte Anstecken über ein gemeinsam mit der infizierten Person benutztes Handtuch. Neugeborene können sich im Geburtskanal mit den mütterlichen Feigwarzen infizieren. Feigwarzen bei Kindern wiederum lassen auf sexuellen Missbrauch schließen, wenngleich eine Selbstansteckung durch Warzen an den Händen auch möglich ist.

Diagnose zu Feigwarzen (Condylomata acuminata)

Weil nicht jede HPV-Infektion zum Wachstum von Feigwarzen führt und oft ohne Beschwerden abläuft, bleibt sie häufig unentdeckt. Kommt es zur Feigwarzenbildung, setzt diese frühestens nach zwei bis vier Wochen, meistens erst nach mehreren Monaten ein.
Die vereinzelt oder in Gruppen von zehn bis fünfzehn Warzen auftretende Erkrankung verursacht selten Juckreiz oder Brennen. Grundsätzlich sind sie durch eine ärztliche Untersuchung schnell aufgrund ihres Erscheinungsbildes diagnostizierbar.
Jedoch ist die Bildung einer sichtbaren Warze nicht immer der Fall, was das Erkennen zuweilen erschwert. Zur richtigen Diagnose wird dazu die Haut mit verdünnter Essigsäure betupft, was die erkrankten Bereiche anhand einer Weißfärbung sichtbar macht.
Um einen Befall des Enddarms auszuschließen, empfiehlt sich eine Anoskopie.
Bei Frauen wird durch den Gynäkologen mit einem Spezialmikroskop zudem der Gebärmutterhals auf Feigwarzen untersucht. Männer sollten dagegen die ersten Zentimeter der Harnröhre mittels der zwar unangenehmen, aber nicht schmerzhaften Meatotomie auf Feigwarzen prüfen lassen. Weil es andere Hauterkrankungen mit vergleichbarem Erscheinungsbild gibt, kann zu deren Ausschluss eine Gewebeuntersuchung (Histologie) erfolgen.

Behandlung zu Feigwarzen (Condylomata acuminata)

Feigwarzen können auf zwei Wegen behandelt werden. Mittels kausaler Therapie, wofür die Bekämpfung der Viren und Warzen steht, werden cremehaltige Substanzen zur Stimulation des Immunsystems regelmäßig über mehrere Wochen bis Monate aufgetragen.
Die hier eingesetzten Wirkstoffe sind Imiqimod und Interferon, wobei Letzteres zur Nachbehandlung eines chirurgischen Eingriffs genutzt wird. Beide Medikamente sind weder während der Schwangerschaft und noch im Bereich des Analkanals und der Vagina anzuwenden. Die symptomatische Therapie steht für die Entfernung der Feigwarzen mittels verschiedener Methoden.
So können die Warzen verätzt werden, was durch Betupfen mit einer Podophyllotoxin-Creme oder –Lösung in Selbsttherapie oder Auftragen von Trichloressigsäure durch den Arzt erfolgt. Bei der Kryotherapie werden die Warzen mit flüssigem Stickstoff kältebehandelt und dadurch bei zumindest 75 % der Betroffenen erfolgreich behandelt.
Die Entfernung der Feigwarzen kann schließlich auch durch einen chirurgischen Eingriff geschehen. Dabei werden die Warzen mit Laserstrahlen, Elektrokoagulation oder einem Skalpell entfernt. Neben benannten Behandlungsverfahren nutzen andere Therapien die Wirkung von grünem Tee oder Licht bestimmter Wellenlänge in Verbindung mit zuvor aufgetragener Säure (5-Aminolävulinsäure).

Prognose

Grundsätzlich sollten Feigwarzen aufgrund ihrer Tendenz zur schnellen Ausbreitung frühzeitig behandelt werden. Die Behandlung nimmt meist einen mehrmonatigen Zeitraum in Anspruch. Wenngleich die benannten Therapien in den meisten Fällen zunächst einen Heilungserfolg verzeichnen können, kann es nach erstmaliger Erkrankung immer wieder zur Neubildung von Feigwarzen kommen.
Diese Fälle von Rezidiven trifft etwa ein Viertel aller Erkrankten. Weil HPV-16 und HPV-18 der humanen Papillomaviren Auslöser von Gebärmutterhalskrebs in etwa 70 Prozent aller Fälle sind, sollten erfolgreich behandelte Frauen zur Früherkennung im sechsmonatigen Rhythmus einen Gebärmutterhalsabstrich von ihrem Gynäkologen durchführen lassen.

Selbsthilfe zu Feigwarzen (Condylomata acuminata)

Kondome senken die Infektionsgefahr, stellen jedoch keinen vollkommenen Schutz dar. Häufiges Wechseln von Geschlechtspartnern erhöht wiederum die Infektionsgefahr. Sind Feigwarzen in einer Partnerschaft aufgetreten, sind beide Partner zu untersuchen und zu behandeln.
Zur Senkung des Risikos einer Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs wird Mädchen zwischen zwölf und siebzehn Jahren in Deutschland die HPV-Impfung empfohlen. Alle älteren Frauen können sich entsprechend der Abstimmung mit ihrem Behandler für oder gegen diese Impfung entscheiden.
Autor: Fischer, Jana24.05.2016

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