Chronischer Schmerz

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Wissen zu Chronischer Schmerz

Von chronischen Schmerzen wird gesprochen, wenn Schmerzen über einen Zeitraum von drei Monaten oder länger anhalten. Während akuter Schmerz einen Schutzmechanismus des Körpers darstellt, der infolge von Erkrankungen oder Verletzungen zur Einschränkung und Schonung zwingen kann, hat der chronische Schmerz diese Funktion häufig verloren. Er entsteht im Gehirn und ist eine Art Erinnerung an möglicherweise einst akute Schmerzen. Das Gehirn hat ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. Überreizungen von Nervenzellen durch akute Schmerzen sind die Ursache chronischer Schmerzen. Damit ist der Schmerz an sich zur Krankheit geworden.
Chronische Schmerzen bestehen mitunter auch dann, wenn eine chronische Erkrankung zugrunde liegt. Daneben unterscheiden Mediziner zwischen verschiedenen Mechanismen, die zum chronischen Schmerz führen. So lassen sich verschiedene Typen von Schmerzen etwa bei Arthrose, Fibromyalgie, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Nervenschmerzen oder Tumorschmerzen unterscheiden. Chronische Schmerzen sind für Betroffene oft sehr belastend und haben auf alle Lebensbereiche Einfluss.

Ursachen

Ganz genau geklärt ist bislang nicht, wie der chronische Schmerz entsteht. Zugrunde liegen möglicherweise Umbauprozesse in Nervenzellen sowie biochemische Veränderungen des Hirnstoffwechsels.

Diagnose zu Chronischer Schmerz

Ein großer Teil der von chronischen Schmerzen betroffenen Menschen nimmt keine medizinische Hilfe in Anspruch. Es ist oft auch nicht einfach, chronische Schmerzen und ihre Ursachen zu identifizieren und erfolgreich zu behandeln. Es gibt jedoch Behandler, die darauf spezialisiert sind. Die Krankengeschichte, Vorbefunde von Untersuchungen, Vorbehandlungen und die aktuelle Lebenssituation sind bedeutsam. Ein Schmerztagebuch kann helfen, herauszufinden, wann Schmerzen auftreten, in welcher Situation, bei welcher Gefühlslage und wie stark die Intensität ist. Die Intensität von Schmerzen lässt sich darüber hinaus in einem standardisierten Fragebogen ermitteln. Liegen mögliche körperliche Erkrankungen dem chronischen Schmerz zugrunde, können verschiedene Untersuchungen notwendig sein. Möglich sind neurologische, orthopädische, bildgebende und viele weitere Untersuchungen.

Symptome

Neben den eigentlichen Schmerzen, häufig im orthopädischen oder neurologischen Bereich, ist die Intensität der Schmerzen möglicherweise von Umwelteinflüssen wie Stress oder Wetterlage abhängig. Begleitend können Stimmungsschwankungen, Depressionen, Schlafstörungen, veränderter Appetit und andere Störungen auftreten.
Die häufigsten chronischen Schmerzen sind:
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • rheumatische Schmerzen
  • Nervenschmerzen
  • Schmerzen bei degenerativen Erkrankungen
  • Tumorschmerzen

Behandlung zu Chronischer Schmerz

Therapeutisch lassen sich chronische Schmerzen durch die verschiedensten Behandlungen lindern. Meist ist es nötig, die Behandlung ganz individuell auf den Patienten zuzuschneiden. So kommen oft mehrere der nachfolgenden Therapien zum Einsatz:

  • Medikamente: Eine medikamentöse Schmerztherapie folgt entsprechend der Stärke der Schmerzen einer Stufentherapie in drei Stufen. Bei leichteren Schmerzen helfen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac. Bei mittelschweren und schweren Schmerzen kommen Opioide zum Einsatz. Daneben spielen örtliche medikamentöse Schmerztherapien und Antidepressiva eine Rolle, die bei chronischen Schmerzen unabhängig von ihrer antidepressiven Wirksamkeit oft eine gute Schmerzlinderung erzielen. Auch die im zentralen Nervensystem wirksamen Antiepileptika werden manchmal verabreicht.
  • Krankengymnastik (Physiotherapie) und Bewegung: Die durch Schmerzen bedingte Schonung verschärft oft das Schmerzproblem.
  • Physikalische Therapie: Kältetherapie, Wärmetherapie, Reizstromtherapie und andere ergänzen möglicherweise die Behandlung.
  • Akupunktur und die alternative Medizin wirken möglicherweise ebenfalls ergänzend.
Eine Vielzahl weiterer Behandlungsverfahren kann im Einzelfall helfen. Oft ist die Kombination aus mehreren Verfahren wirksam, multimodale Therapie genannt.


Prognose

Viele Schmerzpatienten scheuen den Weg zum Arzt oder werden dort nicht adäquat behandelt. Eine fachkundige schmerztherapeutische Behandlung könnte diesen Betroffenen häufig den Leidensdruck nehmen. Denn Schmerzen sind kein Normalzustand, auch nicht in höherem Alter. Da chronische Schmerzen zu Bewegungsarmut und Schonung führen, ist mit weiteren körperlichen Einschränkungen zu rechnen. Auch die psychischen Folgen chronischer Schmerzen sind beträchtlich. Wichtig ist deshalb eine fachkundige Beratung und Behandlung. Dann bestehen die besten Chancen für eine Linderung der Beschwerden.

Selbsthilfe zu Chronischer Schmerz

Chronische Schmerzen können stark belasten sowie mit sozialer Isolation und privaten und beruflichen Problemen verbunden sein. Schmerzen auszuhalten hat nicht wirklich etwas mit Stärke zu tun, denn Schmerzen wirken allgemein schwächend. Heutzutage stehen ausreichend Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um Schmerzen zu bekämpfen. Dafür ist es jedoch nötig, sich fachkundige professionelle Hilfe zu suchen.
Ein aktiver Umgang mit dem Schmerz ist besser, als in der Passivität zu verharren. Das betrifft nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Therapeuten, sondern auch die Lebensweise. Ein gesunder Lebensstil mit der Reduktion von Übergewicht, ausreichender Bewegung und gesunder Ernährung ist der Schmerzbehandlung förderlich. Dagegen wirken sich Rauchen und zu viel Alkohol negativ auf chronische Schmerzen aus. Speziell zwischen Rauchen und chronischen Schmerzen lässt sich ein klarer Zusammenhang nachweisen.

Daten/Fakten zu Chronischer Schmerz

Viele Menschen, die von chronischen Schmerzen betroffen sind, nehmen keine fachkundige Hilfe in Anspruch. Aus diesem Grund fehlen genaue Zahlen zur Häufigkeit chronischer Schmerzen.
Schätzungen gehen von einem Anteil von bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung aus. Am häufigsten kommen Kopfschmerzen, gefolgt von Rückenschmerzen und Schmerzen des Bewegungsapparates vor.

Links zu Chronischer Schmerz

Deutsche Schmerzliga e. V. und Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e. V.
Adenauerallee 18
61440 Oberursel

Deutsche Schmerzliga e. V.
Tel: 0700 - 375 375 375
Fax: 0700 - 375 375 38
http://www.schmerzliga.de

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e. V.
Tel: 06171 - 286 00
Fax: 06171 - 286 069
http://www.dgschmerztherapie.de

Forum Schmerz des Deutschen Grünen Kreuzes e. V.
Nikolaistraße 3
35037 Marburg
http://www.forum-schmerz.de
Autor: Hofmann, Julia12.04.2016

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