Amöbenruhr

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Wissen zu Amöbenruhr

Die Amöbenruhr - Amöbiasis - ist eine infektiöse Darmerkrankung, die durch einen Parasiten (hier: Entamoeba histolytica) ausgelöst wird. Diese Infektionskrankheit ist in den Tropen und Subtropen sehr verbreitet, vor allem in Mittel- und Südamerika sowie in Indien und in weiten Teilen Afrikas. Hygienische Missstände begünstigen die Verbreitung der Parasiten.

Zwei Formen der Amöbenruhr werden unterschieden:
  • Minutaform: Erkrankung beschränkt sich auf den Darm.
  • Magnaform: Auch andere Organe werden durch den Parasiten befallen.
Die Ansteckung erfolgt meist über Lebensmittel, auf denen Zysten (ein bestimmtes Entwicklungsstadium) des Parasiten zu finden sind oder über Trinkwasser. Betroffene Personen scheiden diese Zysten mit dem Stuhl aus. Dadurch kann die Krankheit auf andere Menschen übertragen werden, denn die Zysten bleiben über viele Monate lang auch in der Außenwelt ansteckend. Aus den Zysten entwickelt sich meist die Minutaform. Nicht zwangsläufig entsteht daraus die Magnaform, das heißt, nicht immer durchwandern die Parasiten die Darmwand und können so andere Organe befallen. Es ist davon auszugehen, dass eine gleichzeitige bakterielle Durchfallerkrankung die Entwicklung zum Magnastadium begünstigen kann. Es ist jedoch nicht genau geklärt, wann und warum es einmal nur zur Minutaform und wann es zur Magnaform kommt. Die Amöbenruhr ist eine meldepflichtige Erkrankung.

Diagnose zu Amöbenruhr

Der Parasit kann sowohl in Zystenform als auch in der Magnaform unter dem Mikroskop dargestellt werden. Dazu sind Proben blutig-schleimiger Anteile aus frischem Stuhl am besten geeignet. Allerdings ist ausschließlich die Magnaform sichere Beweisform für das Vorliegen einer Amöbenruhr, denn die Minutaform und die Zysten lassen sich bei den einzelnen, auch durchaus harmlosen Amöbenstämmen, kaum unterscheiden. Dazu ist ein spezielles Verfahren, die Polymerasekettenreaktion (PCR), geeignet. Mittels derer kann die Amöben-DNA nachgewiesen und zugeordnet werden. Um einen Organbefall auszuschließen, sollte auf jeden Fall eine Sonografie (Ultraschall-Untersuchung) durchgeführt werden. Besonders im Oberbauchbereich sind Veränderungen gut erkennbar. Durch eine Computertomografie-Untersuchung lässt sich ein Organbefall ebenfalls feststellen.

Symptome

Die Mehrzahl der Infektionen verlaufen ohne Symptome (80-90 %). Zur Magnaform mit Organbefall kommt es in etwa 20 % der Fälle. Die Zeit von der Ansteckung bis zum eventuellen Ausbruch von Symptomen (Inkubationszeit) beträgt in der Regel drei Wochen.
Symptome sind:
  • Breiiger Durchfall, oft auch mit Beimengung von blutig-schleimigen Fäden
  • Schmerzen im Unterbauch
  • Gewichtsverlust
  • Fieber (eher selten).

Komplikationen

  • Es kann möglich sein, dass sich eine chronische Erkrankung mit sich immer wiederholenden Durchfällen entwickelt. Vorsicht: In diesem Fall ist die Amöbenruhr leicht mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn) verwechselbar.
  • Magnaform mit Befall anderer Organe. Innerhalb von Monaten kann es dazu kommen, dass die Parasiten weiterreifen und die Darmwand durchdringen. Am häufigsten ist das Entstehen eines Abszesses (Eiteransammlung) in der Leber. Diese Eiterbildung führt zu Fieber und Schmerzen im rechten Oberbauch. Die Durchfälle müssen dabei nicht weiter bestehen. Deshalb schließt der fehlende Nachweis einer Amöbenruhr einen Abszess in der Leber nicht aus. Sehr selten können auch das Gehirn, die Blase oder das Herz betroffen sein. Der Befall der Lunge ist ebenfalls möglich. Eine sehr, sehr seltene Komplikation ist das sogenannte toxische Megakolon. Dabei kommt es zu einer rapiden Verschlechterung des Zustandes des Betroffenen mit Schockzustand und schwerem Durchfall und Erbrechen. Der Dickdarm erweitert sich stark. Die Gefahr eines Darmdurchbruches (Perforation) ist sehr hoch.

Behandlung zu Amöbenruhr

Sowohl bei der Minutaform als auch bei der Magnaform ist die Gabe eines Antibiotikums das Mittel der Wahl. Welches Antibiotikum genommen werden muss, hängt vom Stadium der Erkrankung ab (beispielsweise Metronidazol bei Eiteransammlung in der Leber). In der Regel beginnt die medikamentöse Therapie mit der intravenösen Gabe. Im weiteren Verlauf kann auf Tabletten umgestiegen werden. Wichtig ist, dass auch Personen, die keine Symptome haben, bei denen aber ein Erreger nachgewiesen werden konnte, behandelt werden, um die Ansteckungsgefahr für andere zu senken. Bei Durchfällen sollte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Prognose

Vor allem bei der Minutaform ist die Prognose äußerst günstig. Die Magnaform kann jedoch durchaus langwierig und auch lebensbedrohlich verlaufen. Das gilt vor allem für das Auftreten von Komplikationen wie die nekrotische Kolitis (Befall tieferer Schichten der Darmschleimhaut, die folglich absterben kann) oder Eiteransammlungen in der Leber oder anderen Organen. Wird die Amöbenruhr rechtzeitig behandelt, sind die Chancen zur Heilung der Magnaform jedoch auch gut.

Selbsthilfe zu Amöbenruhr

Da die Amöbenruhr in der Regel durch den Verzehr von verunreinigtem Wasser oder Lebensmitteln verursacht wird, gilt es vor allem bei Aufenthalten in tropischen oder subtropischen Gebieten bestimmte Verhaltensregeln einzuhalten:

  • Rohes Obst und Gemüse sollte geschält werden
  • kein Verzehr von rohem Fleisch oder Meeresfrüchten
  • das (Trink-)Wasser immer abkochen - auch fürs Zähneputzen
  • Auf Eiswürfel und Wassereis sollte verzichtet werden
  • Außerdem ist häufiges Händewaschen immer wichtig.
Generell sollte nach einem Tropenaufenthalt immer schnellstmöglich medizinische Hilfe aufgesucht werden, sofern Fieber, Durchfall, grippeähnliche Symptome oder andere Beschwerden auftreten. Außerdem muss der Behandler über den Aufenthaltsort informiert werden.

Links zu Amöbenruhr

Bei Interesse oder Wunsch nach weiteren Informationen über Tropenkrankheiten kann die Web-Seite des Robert-Koch-Institutes (RKI) helfen. Dort gibt es Informationen zu den einzelnen Krankheiten und deren Verbreitung nach aktuellem Stand.
Als pdf-Datei gibt es auf der RKI-Seite auch einen Steckbrief über seltene, nach Deutschland importierte Infektionskrankheiten.

Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin
Tel: 030 - 187 540
Fax: 030 - 187 54-23 28
http://www.rki.de

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) e. V.
Info Service
Postfach 40 04 66
80704 München
Tel: 089 - 218 038 30
Fax: 089 - 33 60 38
E-Mail: dtg@lrz.uni-muenchen.de
http://www.dtg.org
Länderinformationen: http://www.dtg.org/laender

Auswärtiges Amt
Länder- und Reiseinformationen
Werderscher Markt 1
11013 Berlin
Tel: 030 - 500 00
Fax: 030 - 500 034 02
http://www.auswaertiges-amt.de

Weltgesundheitsorganisation (WHO)
http://www.who.int

http://www.fit-for-travel.de
Autor: Krack, Vanessa07.03.2016

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