Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)

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Wissen zu Achillessehnenriss

Die Achillessehne verbindet das Wadenbein mit dem Fersenbein. Sie ist die gemeinsame Endsehne von drei Wadenmuskeln und die stärkste Sehne des menschlichen Körpers. Beim Fußabrollen ist sie dafür zuständig, dass sich die Ferse wieder vom Boden abhebt. Große Krafteinwirkungen sind nötig, damit es zum Riss der Achillessehne kommt. Auslöser ist meist eine Fehl- oder Überbelastung beim Sport. Prinzipiell ist die Achillessehne bei Personen, die viel trainieren, stärker und widerstandsfähiger. Bei Überbelastung der Sehne im Sport (Fußball, Handball) kommt es aber immer wieder zu winzigen Verletzungen in der Sehne, wodurch die Blutversorgung des Gewebes zunehmend ein wenig schlechter wird. Die Sehne verschleißt, sie degeneriert. Damit wird sie anfälliger gegenüber Zugbelastungen, die vor allem bei schrägen Fußpositionen sehr groß sind oder sie kann auch bei einem kräftigen Tritt direkt auf die Sehne reißen.
Am häufigsten wirkt sich die Degeneration auf die Achillessehnentaille aus, die etwa zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Sehnenansatzes am Fersenbein liegt. Dort ist die Durchblutung generell am schlechtesten. Eine seltene Ursache für eine Achillessehnenruptur kann die Einnahme von Antibiotika aus der Gruppe der Gyrasehemmer sein oder eine ständige Einnahme von Glucokortikoiden oder anderen das Immunsystem hemmenden Medikamenten.

Diagnose zu Achillessehnenriss

Die Diagnose kann meist anhand der Symptome und des klinischen Bildes gestellt werden, denn eine Achillessehnenruptur ist in der Regel so eindeutig, dass keine detaillierte Diagnostik erfolgen muss. Mit einer Sonografie (Ultraschall) lässt sich die Lücke im Verlauf der Sehne erkennen.
Falls das genaue Ausmaß des Risses unklar sein sollte und geklärt werden muss, ob ein Teilriss oder ein vollständiger Riss vorliegt, kann ein MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie) angeordnet werden. Damit können auch feinste Strukturveränderungen in der Sehne sichtbar gemacht werden.

Symptome

Die Achillessehne reißt meist plötzlich mit einem "lauten peitschenartigen Knall". Hinzu kommen starke Schmerzen im Bereich der Ferse. Außerdem können Betroffene nicht mehr auf den Zehenspitzen stehen. Im Seitenvergleich fällt über der Ferse eine deutliche Delle auf. In den seltensten Fällen kündigt sich ein Achillessehnenriss durch Schmerzen oder Reizzustände an.

Behandlung zu Achillessehnenriss

Direkt nach der Achillessehnen-Ruptur sollte der Fuß nach der PECH-Regel behandelt werden:
  • Pause - Entlastung
  • Eis - Kühlung
  • Compression (Bandage)
  • Hochlegen des Fußes.

Zur Weiterbehandlung gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • 1. Funktionell-konservativ: Eine nicht-operative Behandlung kann bei Menschen mit Begleiterkrankungen oder hohem Alter sinnvoll sein. Ein lang zu tragender Unterschenkelgips wird nicht mehr empfohlen, stattdessen soll der Fuß bald wieder bewegt werden können. Dazu gibt es Spezialschuhe mit Absatzerhöhung, mit denen der Fuß schnell wieder voll belastet werden kann.
  • 2. Operation: Die operative Methode ist der vielversprechendere Weg. Vor allem Sportler sollten, wenn möglich, auf jeden Fall operieren lassen. In einem minimal-invasiven Eingriff werden die Sehnenstümpfe mit einer speziellen Nahttechnik wieder aneinandergefügt. Mithilfe einer Muskelhaut (Faszie) kann die Sehne unter Umständen verstärkt werden. Die OP kann auch offen erfolgen, sollte ein komplizierterer Riss vorliegen. Nach der OP wird ein Unterschenkelgips angelegt oder mittlerweile ein Orthesenschuh, mit dem schneller eine Grundbeweglichkeit erreicht wird. Etwa sechs Wochen nach dem Riss kann die Rehabilitation begonnen werden. Sie erfolgt in der Regel in abgestuften Schritten. Der Fuß muss weiter in Spitzfußstellung gehalten werden, die je nach Reha-Maßnahme langsam reduziert werden kann. Lockeres Lauftraining kann meist erst nach vier bis sechs Monaten begonnen werden.

Prognose

Die Prognose eines Achillessehnenrisses sieht nach einer Behandlung sehr gut aus. In seltenen Fällen kommt es zu Wundinfektionen, einer Sehnenverkürzung oder -verlängerung. Aber es besteht immer die Gefahr, dass die Sehne nach der Operation nochmals reißt (Re-Ruptur), wobei dieses Risiko bei der konservativen Behandlungsmethode noch höher ist. Auf die Gefahr eines erneuten Risses auch Monate bis Jahre nach dem Ereignis muss immer hingewiesen werden, denn die Sehne ist durch den erstmaligen Riss erheblich vorbelastet. Durch geeignete Behandlungsmaßnahmen und viele Rehabilitationsschritte kann eine 90-prozentige Funktionsfähigkeit der Sehne erreicht werden und durchaus wieder Leistungssport betrieben werden.
Wird ein Achillessehnenriss nicht behandelt, verwächst sich die Sehne nach etwa zwei bis vier Monaten mit vielen Narben (Neosehne), sodass sie ihre Kraft und Funktion verliert. Durch die narbigen Strukturen verlängert sich die Sehne. Dadurch kann die Wadenmuskulatur nicht mit optimaler Kraft arbeiten. Auch durch regelmäßiges und intensives Training kann ein solches Kräfte- und Spannungsmissverhältnis nicht wieder behoben werden. Es resultiert eine Atrophie (Schrumpfung) der Wadenmuskulatur mit Kraftverlust und eventuellem Hinken.

Selbsthilfe zu Achillessehnenriss

Nach einem Achillessehnenriss sollte mindestens zwölf Wochen lang auf jegliche sportliche Betätigung verzichtet werden. Nach frühstens sechs Monaten können Sportler wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Es sollte jedoch jedem Betroffenen bewusst sein, dass die Gefahr eines erneuten Sehnenrisses weiterhin besteht.

Daten/Fakten zu Achillessehnenriss

Die Achillessehne reißt vor allem bei jüngeren Menschen, am häufigsten im Alter von 35 bis 45 Jahren. Männer sind sehr viel häufiger betroffen als Frauen. Vor allem bei Sportarten mit schnellen Bewegungsänderungen wie beim Hand- oder Fußball kommt es zu Achillessehnenrupturen. In 75 % der Fälle ist die Achillessehne beim Sport gerissen. Ältere Menschen sind nur dann gefährdet, wenn sie Glucocortikoide (Cortison) oder andere Immunsuppressiva (Immunsystem-unterdrückende Medikamente) einnehmen.

Links zu Achillessehnenriss

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V.
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Tel: 030 - 202 154 90
Fax: 030 - 202 154 91
Mail: office@dgu-online.de
Web: http://dgu-online.de
Patienteninformation als PDF-Datei
Autor: Krack, Vanessa23.02.2016

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